Verwaltung. Ein Drama in endlosen Akten.

Stellen Sie sich doch mal folgende Situation vor:

Sie leben in einem europäischen Nachbarland.

Sie sind gebürtige Deutsche mit solider Berufslaufbahn. Dermaßen solide, dass hierfür der Begriff „solide“ überhaupt erst mal erfunden werden musste! Ein Laufbahn-Neologismus quasi!

Sie erhalten einen Bescheid über die Einstellung für bislang erhaltene Sozialleistungen und werden dazu aufgefordert, fälschlich erhaltene Zahlungen zurück zu zahlen. Sie zahlen zurück, weil das ja alles nachvollziehbar ist, alle soliden Unterlagen solide eingereicht sind und auch äußerst solide bearbeitet, dokumentiert und eingeheftet sind und Sie wenden sich an das neue Heimatland, das selbige Sozialleistungen an seine Einwohner auszahlt. Eigentlich eine Formalität verwaltungstechnischer Art. Das hiesige Amt bittet um einen Zettel und fragt im ursprünglichen Land an.

Jupp. Und genau hier liegt der Hund begraben.

„Verwaltungstechnischer Art.“ (Zitat Asterix und Obelix im Haus, das Verrückte macht, Film: Asterix erobert Rom, 1976. Haaaaa, jetzt seh ich es erst! Das war also schon damals so bekloppt :-)!)

Sie brauchen also einen Zettel, den Sie nicht bekommen, weil Sie ein Papierchen brauchen.

Das Papierchen bekommen Sie aber nicht, weil Sie dafür den Zettel brauchen.

Ich soll für den Zettel nochmal einen ganzen Stapel Anträge ausfüllen, obwohl ich das nach deutschem Gesetz gar nicht muss, so die Auskunft „meines“ Amtes (, das alles schon vorliegen hat und an das andere Amt senden darf). Anträge in sämtlichen Sprachen übrigens, die ich annähernd „beherrsche“. Also drei, denn Latein kann man ja wohl vernachlässigen. Dann bekomme ich von diesem Amt den Zettel, den ich brauche, um das Papier zu bekommen. Den Zettel brauche ich aber eigentlich nicht wirklich, weil ich den ****zettel schon von „meinem anderen Amt“ bekommen habe! Nämlich im Oktober schon, aber leider auf Deutsch. Für das Papier brauche diesen Zettel aber in einer internationalen Ausführung, also auf Englisch, und „mein Amt“ macht das nicht. Wie gesagt, ich lebe im Ausland. Das andere Amt will nun aber unbedingt alle Anträge und Dokumente haben, damit es dann feststellen kann, dass man ja überhaupt nicht für mich zuständig ist, sondern eben das andere Amt. Und vielleicht bekomme ich dann den Englischzettel. Und dann bekomme ich vielleicht das Papierchen und ach….

Das Problem ist, dass die angegebene Telefonnummer nur aus Deutschland angerufen werden kann. Und auf eine Email mit Anhang reagiert keiner. Rotfrau bittet darin um Aktenanforderung bei „meinem Amt“ und um Beschleunigung des Vorgangs „verwaltungstechnischer Art“.

Na, klickert´s? Also mich erinnert das ganze Drama irgendwie an den Hauptmann von Köpenick. Dieses Werk hat schon Greisenalter, ist aber entsetzlich aktuell. Es hat sich nichts, aber auch gar nichts geändert.

„Dat is wie ne Kaffemühl“, oder so ähnlich habe ich das Jammern des Protagonisten im Gedächtnis, als der vergeblich einen Pass haben möchte, den er aber nicht ohne Wohnsitz bekommt. Und eine Wohnung bekommt er auch nur, wenn er einen Pass vorlegen kann.

Nun hat jedenfalls der Poolbesitzer die Email samt angehängten Dokumenten in ein Dokument geändert und via Fax an das Amt geschickt. Dauerte nur ein paar vergebliche Versuche, dann schon ging das durch.

Habe ich schon erwähnt, dass heute (!) der Zettel von der Autoversicherung gekommen ist? Die Mitteilung darüber, dass mein Auto in Deutschland stillgelegt wurde und dass ich XXX schadensfreie Jahre habe? Dass das nun der DRITTE Zettel mit den Informationen ist, die ich für eine hiesige bezahlbare Versicherung brauche? Dass ich denen schon dreimal (sic!) gesagt habe, dass ich diesen ****zettel bitte,

BIHIIIIITTTEEEE

auf Englisch brauche, weil man hier keine Zettel mit deutschen Anmerkungen akzeptiert, ich aber zum Geier nochmal eine Autoversicherung mit meinen Prozenten haben will?

Es wird Zeit, dass die große rote Frau endlich ihren „Passierschein A 38“ ( Zitat aus selbigem Film ) bekommt. Sonst muss ich mir ein Blechhütchen aufsetzen und trötend durch Nordjütland hüpfen.

2 Gedanken zu “Verwaltung. Ein Drama in endlosen Akten.

  1. Bitte nicht !!!
    Also tröten und hüpfen meine ich. Vielleicht ist deine Probezeit im Dortland noch nicht vorbei und sie weisen dich, wenn sie dich in diesem Zustand erwischen, in Zettelchen und Papierchen eingewickelt und fixiert aus!!

    Also lieber einen Schnaps und Ooooommmmm

    Gefällt 1 Person

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