Nordischwild – Ein Liebesbrief an mein Kind

Oh du mein lieber, kleiner Wikinger!

Du hast so große und so dunkle Augen. So neugierig und so ernst blickst du damit in deine Welt. Es ist nicht gerade leicht, dich zum Lachen zu bringen und dein großer Bruder nennt dich daher öfter auch „Ernst“. Dabei kannst du so umwerfend lachen! Wenn du lachst und uns deine weißen Zähnchen zeigst, dann freuen wir uns alle mit dir.

Du bist unglaublich pfiffig, lernst in rasantem Tempo. Du brauchst keine langwierigen Übungsphasen, du schaust zu und dann machst du einfach. Rauf auf´s Laufrad und ab die Post, während der neugierig ausprobierende Belgier sich langsam in Bewegung setzte. Vorsicht gibt es bei dir nicht, du gehst immer in die Vollen. Du kennst nur Vollgas!

In der Vuggestue bist du sehr beliebt und du kuschelst ganz Charmeur mit sämtlichen Erzieherinnen. Wenn deine Lieblingskristina um die Ecke guckt, rennst du ihr laut quietschend in die Arme und bedeckst sie mit Küssen. Du kennst bereits alle Namen und verabschiedest dich mit einem grinsenden „Vis ses!“. Ich glaube, du wirst schneller auf Dänisch flirten, als ich Wurstbrote bestellen kann 😉

Du bist ein neugieriger, wieselflinker Pillefinger, der in blitzartiger Geschwindigkeit genau das untersucht/zerlegt/durchbohrt/zerfieselt oder auseinanderreißt, was man nicht schnell genug in Sicherheit bringen konnte. Sobald du aus deinem Hochstuhl gesprungen bist, muss man im Laufschritt den Tisch abräumen und obwohl es nur ca. 5 Meter sind, die den Esstisch von der Küche trennen, muss dir Mama nach dem regelrechten Hinwerfen des Geschirrs auf die Küchenarbeitsplatte im Laufschritt Messer/Gläser/Toasterstecker und sonstige Gefährlichkeiten aus der Hand reißen. Tischabräumen im Beisein des kleinen Wikingers ist ein Wettlauf. Wer gewinnt? Noch bin ich stärker und klüger, aber ich fürchte, wir beide werden noch den einen oder anderen Kampf austragen müssen.

Du weißt sehr genau, dass du manche Dinge nicht darfst und harrst in bewusster Bewegungslosigkeit und mit beinahe diabolischem Grinsen aus, bis alle entdeckt haben, dass du etwas in der Hand hast, was du nicht haben darfst oder solltest. Wir können es dir oft nicht mehr schnell genug aus selbiger nehmen. „Du bist ein Marodeur!“, stellte der große schwarze Mann diese Tage entsetzt fest. Für dich muss der rheinländische Vorreiter wohl neue Maßstäbe einführen: Den TÜFF-Wiki! Was dich überlebt, das muss was taugen!

Zur Zeit bist du gar nicht gut auf mich zu sprechen. Ich darf dich weder anfassen, noch wickeln, noch ansehen, wenn dein Papa in der Nähe ist. Ich darf dich nicht trösten, ich darf nicht mit dir reden und lachen darf ich schon gar nicht. „Nein!“ und „Niiiiicht!“ sind die einzigen Worte, die du gezielt an mich richtest. Das tut mir sehr weh, weil ich dich gerne in den Arm nehmen und dich trösten möchte. Ich schnuppere doch so gerne an deinen feinen Fluselhaaren, die mich mit jedem Atemzug in der Nase kitzeln. Du riechst so gut nach kleinem Kind und ich mag das doch so gerne! Deine ganze Zuneigung schenkst du derzeit ausschließlich deinem Papa, der mit großer Geduld fast alle deine Dummheiten erträgt und dir mit liebevoller Milde soviele Dinge durchgehen lässt, die du dir gerade so vorstellst. Deine Wutanfälle sind eine Belastung für das Trommelfell, dein Kreischen hältst du auch locker eine halbe Stunde durch. Schließlich willst du, dass deine Familie gefälligst nach deiner Pfeife tanzt…wäre da nicht die böse Mama, die mindestens genauso stur ist wie du. Sie spurt einfach nicht so wie du willst. Du bist ihr sehr ähnlich und das passt dir gerade so gar nicht ins Zauselköpfchen.

Noch immer liebst du es, deinem Bruder nachzueifern. „Wo ist …?“ (er spricht den doch schwierigen Namen fehlerfrei und ohne Verniedlichung aus), fragst du sofort, wenn du deinen belgischen Zwilling nicht sehen kannst. Was dir jener vormacht, sei es auch noch so unwichtig, du machst es nach! Weil du körperlich nicht mit deinem Bruder mithalten kannst, erfordert ein Nachmachen so manches Mal großen Mut von dir. Und wahrlich, den hast du! Du bist ein echter Wikinger! Und schlau bist du auch. Als ***i vorgestern herausgefunden hatte, dass man von der Couch hüpfen kann, bist du sofort auch hinaufgekraxelt. Etwas zögerlich standest du erst am „Abgrund“, bist dann aber gewohnt mutig hinterher gesprungen. Da deine Landung nicht ganz so gut geklappt hatte, erfandest du bereits beim zweiten Versuch den Doppelsprung mit Popozwischenaufsetzer. Schwupp und eifrig mit dem kleinen Bruder um die Wette gehüpft. Die unzähligen Küsse, die der seiner Mama vor jedem Absprung gegeben hatte, waren dir bedauerlicherweise nicht nachahmenswert genug.

Manchmal, wenn du eine gute Laune hast, möchtest du auch von mir gekuschelt und getragen werden. Ich genieße dann jede Sekunde davon, weil ich deine körperliche Nähe vemisse. Ich habe dich so furchtbar lieb und ich habe so große Angst um dich. Du bist so zart und wenn wir alle einen kleinen Lapalienhusten haben, entwickelt sich bei dir schon mal eine böse Bronchitis. Als wir alle Durchfall hatten, musstest du im Krankenhaus versorgt werden. Du bist so zierlich. Du bist so empfindlich. Und du bist so ein Kämpfer. Schon in der Frühchenstation warst du das!

Ich bin so stolz auf dich. Ich bin so traurig, weil du mich derzeit zurückweist.

Du bist mein Herzkind.

Mein nordischwildes Herzkind.

Ein Gedanke zu “Nordischwild – Ein Liebesbrief an mein Kind

  1. Wunderschön geschrieben…!
    Und ich vermisse das Gefühl, den Kleinen auf dem Schoß zu haben. Er war ja immer schon (soweit man das bei einem so kleinen Kind sagen kann) zurückhaltend, aber ich habe das als ganz große Ehre empfunden, als er freiwillig und mit ausgestreckten Armen zu mir wollte! Sein Bruder kam ja auch mal zum Buch anschauen oder so, aber bei ihm war das immer ‚Besonders‘!
    Weil er einfach besonders ist!

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