Dinge, die man wissen/lernen sollte, wenn man nach Dänemark auswandern möchte! Teil 1

Wer ein Leben ohne Computer leben möchte, der braucht erst gar nicht mehr weiterzulesen. Für all diese Menschen – jawoll, Rotfrau kennt einige davon, die ihr Leben ohne Computer und Internet gestalten – hat sich der Traum mit der Auswanderung nach Dänemark erledigt. Wäre Rotfrau jetzt böse, so verwiese sie all jene Träumer vertrauensvoll an VoXX, wo man sich belustigende Survivaltipps für eine erfolgreiche Auswanderung holen kann…

  • Einen dänischen Festnetzanschluss braucht eigentlich nur ein Auswanderer, weil Auslandsgespräche via Handy deutlich teurer sind. Wer eine computerfreundliche Verwandtschaft/Bekanntschaft im Heimatland hat, der braucht überhaupt kein Festnetz. Handyverträge bekommt man hier mit monatlicher Kündigung und bis zu 12 GB für 14 Euro im Monat, natürlich darf man auch eine Weile umsonst damit telefonieren. Wenn mich nicht alles täuscht, meine ich gehört zu haben, dass SMS nichts kosten. Wer das besser weiß, der möge bitte im Kommentarfeld eine Berichtigung formulieren, schließlich will ich ja keine Lügen verbreiten.
  • Es spielt keine Rolle, ob man das -et oder -en richtig einsetzt, ob die Plural-es richtig an den Adjektiven dranhängen. Hauptsache, Sie bemühen sich um die dänische Sprache! Dänen schätzen es sehr, wenn man Dänisch erlernt und sie helfen gerne mit Englisch und auch Deutsch aus, wenn man zu scheitern droht. Allein die Tatsache, dass Sie Dänisch sprechen, wird anerkennend bemerkt. Sobald der Gesprächsfluss wiederhergestellt ist, wird fröhlich und in hohem Tempo weitergeredetgeknödelt.
  • Gewöhnen Sie sich unbedingt die Scheu vor Nacktheit ab! Während in deutschen Schwimmbädern viele Frauen – tut mir leid, ich vermag nicht aus der Herrendusche zu berichten – mit Badekleidung unter der Dusche stehen bzw. komplett ungewaschen in die Schwimmhalle flitzen, ziehen sich Däninnen komplett nackig aus. Der Umkleideraum hat zwar eine oder zwei Einzelkabinen zum An- und Auskleiden, aber eigentlich ziehen sich Jung wie Alt im großen Gemeinschaftsraum aus und man ratscht nackig miteinander über dies und das, während die nackerten Kinder in der Gegend rumhüpfen oder in den Laufställen/Maxicosidingern warten, die überall zur Verfügung stehen. Die Schuhe stehen in Reih und Glied beim Eingang. Im Evakostüm marschieren dann alle – wirklich alle Badegäste vom Klitzekleinkind bis zum Greis – unter die Dusche, wo man sich nicht nur die Käsefüße wäscht, sondern sich richtig von Kopf bis Fuß einseift und sich die Haare einschäumt. Dann erst wird Badekleidung angezogen und dann geht man ins Bad.
  • Lustigerweise geht man nicht nackig in die Sauna! Saunen sind in allen öffentlichen Schwimmbädern ohne Extrapreis nutzbar. Manchmal in der Schwimmhalle, manchmal im Umkleidebereich. Dampfbäder, heiße Steinliegen und Whirlpool befinden sich häufig in sogenannten Erwachsenenzonen, zu denen der Zutritt erst ab 16 erlaubt ist. In die Sauna marschiert man mit Badeanzug – Bikinis werden hier von Müttern eher weniger getragen – und ohne Handtuch. Da sich aber im Vorfeld alle waschen, finde ich das jetzt nicht ganz so schlimm und hinterher duscht man sich ja auch wieder. Seifenspender gibt es zur Genüge.
  • Suchen Sie im Schwimmbad nach einer Liege, die Sie nach deutscher Manier mit einem Handtuch belegen können? Suchen Sie weiter! Der Badedäne liegt offenbar nicht rum, es stehen maximal Plastikstühle und -tische da. (Nach der Sauna trinkt man geschwind einen Schluck aus dem sehr oft bereitgestellten Wasserspender und stürzt sich wieder gutgelaunt ins Getummle. Rumliegen kann man nur auf den heißen Steinliegen.) Dafür schwimmen im Bad gefühlte 1ooo Schaumgummiviecher und Eimer und Gießkannen und Becher und Boote und Krokodile und Bälle und und und herum, mit denen man sich genügend austoben kann. Am lustigsten sind die Bissspuren sämtlicher nordjütländischen Kleinkinder in diesen Moosgummielementen 🙂 Wer sich ausruhen will, der muss wohl in den Whirlpool im Erwachsenenbereich, denn in den Whirlpools im „Kinder“bereich ist die Hölle los. Ich glaube auch, dass das Wasser in den Schwimmbecken hier nordisch kälter ist, was aber außer mir niemand zu bemerken scheint?
  • Sie brauchen nie wieder in deutscher Geschwindigkeit und Hektik den samstäglichen Lebensmitteleinkauf zu erledigen! Gut, viele Dänen gehen auch am Samstagvormittag einkaufen, aber man bunkert hier nicht als würde am Sonntag der dritte Weltkrieg ausbrechen! In Deutschland biegen sich die Samstagswägen unter der Last der Lebensmittel, am Monatsbeginn ist das noch schlimmer! Solche Lastwägen habe ich hier nur selten gesehen und meistens bin ich die Lastwagenfrau…Die Läden haben bis auf ganz wenige Schließtage sieben Tage die Woche geöffnet. Bis um 22 Uhr und in größeren Städten sogar noch länger. Wochenend-/Feiertagsdienst und Nachtschichten machen überwiegend sehr junge Leute, vermutlich Studenten. Das nimmt deutlich Aggression aus der ganzen Sache raus und so wartet man geduldig, bis man an der Reihe ist. Wenn die Nachbarkasse öffnet, dann setzt eben nicht der gewohnte Kampf um´s leere Kassenband ein, einige bleiben und der Rest geht eben rüber. Ohne zischende Böswilligkeiten oder blaue Rippen nach überstandender Wagenkollision. Und wenn der Vordermann beim Bezahlen mal eben raus gehen muss, weil er sein Geld im Auto vergessen hat, meine Güte, dann geht er halt schnell. Er kommt sicher wieder. Wurden Sie schon mal am 23. Dezember in einer Monsterschlange mit einem Monsterwagen voller Sachen direkt ans Kassenband vorgelassen, weil Sie ja wegen der vielen Windeln offensichtlich einen höheren Zeitdruck haben? Ich schon und die vielen anderen in der Schlange haben nicht gemeckert!
  • Man zieht überall Nummern und wartet, bis man dran ist. Beim Bäcker (sic!), in der Apotheke, am Postschalter, in der Bank, in der Gemeinde, in der Notaufnahme…Ich liebäugle mit einem Nummernautomaten für´s heimische Badezimmer 😉
  • Man kauft hier häufig asaisonal und angebotsbedingt ein. Lernen Sie unbedingt, Prospekte zu lesen und noch wichtiger, die richtigen zu bestellen! Wenn in Dänemark reduziert wird, dann richtig! So kann man z.B. die Energyplörre, die Preußenbayer zum Frühstück zu trinken pflegt, plötzlich statt für die üblichen 16kr für erfreuliche 5kr kaufen. Palettenweise Bevorratung empfiehlt sich daher. Faschingskleidung für 25kr statt für 240kr, Winterjacken für 99kr statt 350kr. Man muss nur gucken und mutig vorausschauen. Das musste ich erst lernen und als ich das so noch nicht wusste, habe ich immer über den Hinweis „Nur 6 Stück pro Kunde pro Tag. Bei mehr kostet das X dann zy!“ in den Werbezetteln gestaunt. Jetzt weiß ich, warum. Heute gab es Sauerkraut in einer Werbeaktion. Haltbar bis 2018 und in Nordjütland normalerweise nur selten zu finden:

Sauerkraut - Kopie

  •  Prospekte bestellt man sich. Online natürlich. Man wählt aus, was man bekommen will und das wird dann als „Werbepaket“ verpackt in den Briefkasten geworfen. Wer keine Werbung haben möchte, der hat entweder zu viel Geld oder keine Sehnsucht nach Sauerkraut.
  • Ohne Internet geht hier gar nichts. Sie können sich sogar online das Essen vorbestellen, das Sie nach dem Einkaufen in der Schnellimbisskette verspeisen möchten.

Tak for i dag. Das mit dem Danke erkläre ich ein anderes Mal…

18 Gedanken zu “Dinge, die man wissen/lernen sollte, wenn man nach Dänemark auswandern möchte! Teil 1

  1. Pingback: Auf ein Glas Wein mit Meermond | Meermond

  2. Uiuiuiui ! Da kann man nur die Daumen drücken, daß bei euch Internet,Handy,Tablet,PC und so weiter funktionieren, sonst müsst ihr womöglich verhungern, vor allem wenn die Nummernautomaten beim Bäcker ausfallen!!
    Hilfe, ich hoffe wir verhungern im Urlaub nicht, mit deiner Hilfe werden wir das aber schon schaffen, daß wir Lebensmittel für zwei Wochen bunkern!
    Und Hundefutter!!
    Nehme ich aber sicherheitshalber trotzdem mit. Wenn Herrchen und Frauchen schon hungern müssen, soll wenigstens der Hund überleben..grins!!

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      • Na,ja das muß man eben ausprobieren. Was Du allerdings über die Werbung schreibst, interessiert mich schon, wie ist das denn wenn man sich für ein Prospekt entschieden hat und möchte es dann nicht mehr zugeschickt bekommen? Dann wird es per Internet abgewählt, ist schon klar, Nur die haben doch dann Deine Anschrift, schicken die dann nicht weiterhin Werbung unverlangt zu? Hier ist es ja so üblich:-(
        Liebe Grüße
        Puenktchen

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        • Die Werbeprospekte werden von der Post gebracht. Sie sind als „Paket“ in einer Plastiktüte zusammengepackt und wenn man ein Prospektblatt rausbestellt, dann ist es einfach nicht mehr da. Es gibt auch ein paar Prospekte, die mit der Wochenzeitung geliefert werden. Adressenmissbrauch kann ich derzeit noch nicht erkennen. Bin noch neu hier 😉

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  3. Hallo,
    seit einiger Zeit verfolge ich dein Blog und freue mich über Nachrichten aus dem nahen Nachbarland. Habe selbst für einige Zeit zum Studium dort gelebt und mein Liebster ist dort immer noch heimisch, wenn auch etwas mehr im Osten als ihr. Heute muss ich mich mal zu Wort melden 🙂 Ich finde die Liste sehr gelungen, auch wenn ich nicht alles so erlebt habe, aber das mit dem Telefon stimmt ganz sicher. Falls ihr noch nach Möglichkeiten sucht günstig ins Ausland zu telefonieren (auch mit dem Handy) kann ich euch sagen, ich habe eine Prepaid-Card eines Anbieters (bin nicht sicher, ob ich das hier so einfach schreiben darf, daher bei Interesse gerne Mail) und telefoniere für 1 Øre ins deutsche Festnetz.
    Liebe Grüße und weiterhin alles Gute für euer großes Abenteuer
    Ine

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