Stadtgeflüster

So langsam kleidet sich die Stadt in Weihnachten: Erste Lichter räkeln sich schier vor der vorfreudigen Bewunderung,  schwarze Metallmülleimer schlüpfen in püschelige „Schnee“mäntel und Herzen erinnern an die nun anbefohlene Grundstimmung: Weihnachten –  ab jetzt gefälligst!

Das nachbarstädtische Einkaufszentrum plusterte sich heute vor lauter Menschen, die in fröhlicher Verzückung in den vorweihnachtlichen Geschenkerausch abzudriften begannen, förmlich auf.

Die weltbeste Stadt der Welt wird um diese Jahreszeit immer regelrecht aggressiv und in den vier Samstagen vor dem christlichen Geschenkefinale kann man ohne Nervenzusammenbruch nicht mal mehr eine Tüte Mandeln erwerben. Wenn es überhaupt noch welche gibt. Parkplatzeinweiser lenken die völlig überforderten Autofahrer in viel zu enge Parkbuchten und wie wahnsinnig gewordene Wespen attackieren viel zu viele Menschen die regelrecht in Angstschweiß ausbrechenden Kassiererinnen. Permanentes „Dschinglbälls“ prügelt gnadenlos auf die schwitzenden Menschenmassen ein. Frohes Fest – gefälligst!

Jedes Jahr hat sich die große rote Frau damals vorgenommen, im Dezember überhaupt nicht mehr in die Stadt zu fahren, denn ein einziger Adventssamstag kostete sie mindestens eine Schrillion Nerven. Und jedes Jahr wieder kam das, was kommen musste: Die überraschte Feststellung, dass es nur noch wenige Tage bis zum Fest der Feste waren und noch immer nicht alle Geschenke in güldenen Schleifchen lagen.

„Zefix, was schenke ich denn bloß?“ und „Zefix, wann kauf´ ich denn das bloß?“  hämmerten konstant auf das rasant wachsende schlechte Gewissen ein – bis

sich Rotfrau seufzend in den Irrsinn unter der ewigen Glöckchenmusik stürzte. Half ja doch nichts.

„Nächstes Jahr mach´ ich das aber rechtzeitig! Das tu´ ich mir nicht mehr an!“

Und wie das so ist mit den guten Vorsätzen: Sie haben ihre Daseinsberechtigung eigentlich nur dahingehend, gebrochen zu werden.

Wir schreiben heute den 7. November. Noch viel Zeit. Eigentlich.

Wie immer weiß ich noch nicht mal, was ich überhaupt schenken soll! Und ob ich am heiligen Abend überhaupt im großen roten Haus bin, das weiß ich, nebenbei bemerkt, auch nicht.

Aber eines weiß ich ganz genau:

Das tu´ ich mir nicht mehr an.

Ich habe schließlich noch ein paar Wochen.

Und außerdem wohne ich nun doch so dermaßen nördlich des Weißwurstäquators, da sind die Menschen sowieso wesentlich gelassener. Ich hab ja noch Zeit, also kein Grund zur Panik!

Oder … ?

2 Gedanken zu “Stadtgeflüster

  1. Das Geschenkemuss haben wir schon seit Jahren abgeschafft und Gänsebraten muss auch an Weihnachten nicht mehr sein. Somit leben wir schon seit Jahren ruhiger, wenn auch die Hauptstadt vor unseren Toren bereits ebenso verrückt spielt. Und das bei nächtlichen Temperaturen von 12 Grad +!
    Lass dich nicht stressen – das geht nämlich!

    Gefällt 2 Personen

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