Exkurs: Finnische Kinder

Gestern Abend hatten wir Besuch von einem finnischen Ehepaar. Inspiriert von der wundervollen Ann habe ich die beiden ziemlich ausgefragt:

In den Dreißigerjahren vergangenen Jahrhunderts waren in Finnland viele Menschen arm. Vor allem die Kinder hatten einen schlechten Start ins Leben und daher beschloss man dort bereits früh, allen Kindern in Finnland eine Chance zu geben. Zur Geburt eines Kindes bekommt man vom Staat entweder eine gewisse Summe Geld oder eine Kiste. In dieser Kiste befinden sich richtig hochwertige Dinge zur Erstaustattung des neuen Finnenbabys: Kleidung, Wickelzeug, Fläschchen, diverse Pflegeprodukte, ein Tragetuch und eine Matratze. Kiste und Matratze sind von der Größe her so gestaltet, dass man sie passgenau in – das habe ich leider nicht ganz genau verstanden – oder an das elterliche Bett anbauen kann. Die Kinder sollen entgegen der langjährigen Traditionen nicht mehr im Elternbett, sondern eben in diesen Kisten schlafen können. Seit der Einführung der Babykisten konnte die Kindersterblichkeit aufgrund des plötzlichen Kindstods erfolgreich gesenkt werden.

Zu diesen Kisten erhalten die Eltern auch eine Badewanne. Diese Badewanne wird in der Sauna benutzt: Die Babys baden in den unteren Zonen der Sauna, während die Großen oben schwitzen. Bereits nach wenigen Monaten nehmen finnische Eltern ihre Babys mit in die Sauna, die für alle Finnen Bestandteil ihres Lebens ist. Unsere Freunde sprachen nicht von Tradition, sondern tatsächlich vom Lebensbestandteil. Sie erklärten uns, dass sogar viele Kinder in einer Sauna geboren werden würden und so mancher Toter würde in einer Sauna gewaschen und für den Sarg vorbereitet werden. In die Sauna zu gehen ist in finnischen Familien fixer Bestandteil der wöchentlichen Routine, selbst wenn man in einem Mehrfamilienhaus wohnt. Während man in Deutschland in die Samstagsbadewanne zu hüpfen pflegt(e), reinigen sich die Finnen seit Jahrhunderten in einer Sauna –  früher oft dem einzigen Platz mit warmem Wasser im Winter. Angesprochen auf die Temperatur lächelten die beiden nur mit der Bemerkung: Alles unter 90 Grad ist keine Sauna. In eine 65 Grad Sauna würde er lediglich zum entspannten Buchlesen gehen, so unser Freund. Die in deutschen Saunen empfohlenen Saunagänge mit festgelegten Ruhephasen und kreislaufförderndem Fußbadbrimborium belächelten sie ebenfalls. Finnen gehen rein, bleiben, bis es ihnen zu heiß ist, dann rennen sie raus, hüpfen in den See und wenn sie wollen, dann gehen sie wieder rein und wieder raus usw. Sanduhren interessieren da keinen und eine anständige Sauna wird mit Holz geheizt. Nur in der wohnungseigenen Sauna heizt man mit elektrischen Öfen. Dass die Dänen mit Badebekleidung in der Sauna sitzen, fanden sie auch äußerst amüsant. Die Finnen haben keine Scheu vor der Nacktheit, nehmen lediglich eine spezielle Sitzunterlage mit in die Hitze.

Zurück zu den Kindern. Allen Kindern in Finnland soll es gut gehen und alle sollen die gleichen Chancen haben. Das setzt sich dann auch so in der Schule fort. Alle haben alle Möglichkeiten und es ist vom Staat so gewollt, dass Geld nicht wirklich zu höheren Bildungschancen verhelfen kann. In der Schule erhalten alle Kinder bis – hier waren sie sich nicht ganz sicher – zum 16. Lebensjahr warme Verpflegung. Jedes Kind isst umsonst zu Mittag in der Schule und wenn es großen Hunger hat, dann darf es auch viel essen, wie unser Freund wissendschmunzelnd anmerkte.

 

16 Gedanken zu “Exkurs: Finnische Kinder

  1. Schweden ist noch schlimmer. Dort kommt man für eine Ohrfeige 1-2 Tage ins Gefängnis. Auch wenn man sich gegen Homosexualität äußert kann man eine Stippvisite hinter schwedischen Gardinen einlegen. Totales Gender Equality, keine Förderung der Hausfrauenehe. Deswegen wurden auch die Steuerklassen III/V abgeschafft, da sie das Einkommen der Frau „klein macht“. Schweden ist eine Diktatur. Hoffentlich geht Finnland nicht auch in die Richtung irgendwann.

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  2. Danke fuer das wunderbare Kompliment….toll, jetzt das Wissen aus erster Hand zu bekommen…das meiste war neu fuer mich. Ich habe meine kids auch ab 3 mit in die Sauna genommen, frueher habe ich mich nicht getraut!!! Danke fuer den aeusserst interessanten und informativen Beitrag👍👍👍👍

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      • Ich habe noch mal nachgesehen, so der Sicherheit halber, damit ich keinen Schwachsinn erzähle. Ich hatte mal was über die Schwangerschaftsbetreuung in Finnland gelesen und das fand ich beispielhaft und habe davon auf den Rest des Gesundheitswesens geschlossen. Sie liegen aber nur an 44. Stelle irgendeiner Länderbewertung, nur Dänemark ist von den nordischen Ländern noch schlechter bewertet worden. 😦

        Ich war vor 11 Jahren im Januar (ausgerechnet) einmal in Helsinki, von der Arbeit her. Was mir auffiel war, dass in den meisten Restaurants vegetarische und vegane Alternativen angeboten wurden und dementsprechend in den Menüs gekennzeichnet waren. Das fand ich fortschrittlich, denn es war damals in Dänemark noch absolute Mangelware. So toll ist es eigentlich in Dänemark immer noch nicht für Vegetarier, von Kopenhagen mal abgesehen.

        Ich möchte sehr gerne noch einmal nach Finnland, aber nicht wieder im Januar! In Helsinki gibt es eine Menge schöner, gut erhaltener Jugendstilhäuser.

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        • Zugegeben, ich leide beinahe schon unter der Fleischlastigkeit Nordjütlands. Die Obst- und Gemüseecke ist um ein Vielfaches kleiner als die Fleischtheke, vegetarische Brotaufstriche gibt es überhaupt nicht. Ich sollte mal Bilder von der „blühenden Landschaft“ des Nordens veröffentlichen.
          Überall Schweineindustrie…“Mast“ trifft nicht mehr zu 😦

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