Tversted – Eine „Tour de France“ für werdende Zwillingsmütter?

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich mich rückblickend als wahnsinnig oder lieber als leichtsinnig bezeichnen soll.

Auf jeden Fall war das vermutlich eines der irrsten Erlebnisse meines absolut unaufgeregten, normalen und völlig langweiligen Lebens. (Alle Leute, die mich persönlich kennen, brechen nach diesen Worten in einen Lachkrampf aus und JAAAHA doch, ich schreibe noch eine Biografie 😉 ]

Im Jahre 2012 überraschte mich mein gsM mit einer Reise nach Dänemark. Ausgemacht war ursprünglich, er würde irgendeine Reise buchen. Wohin auch immer er gerade wolle und ich käme mit, egal, ob hier- oder dorthin. Er plante heimlich und wählte Tornby, wie ich erst wenige Tage vor der Abreise erfahren sollte.

Zum Zeitpunkt der Buchung war uns beiden aber weder klar, dass ich in jenem Sommerurlaub ziemlich schwanger sein würde, noch dass wir quasi zu fünft dorthin reisen würden.

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Heute sind die Größenverhältnisse umgekehrt…

Auf alle Fälle war seine Wahl umwerfend gut: Das Ferienhaus war ein Traum, die Lage herrlich und so träume ich noch heute von jenen zwei Wochen.

Und von der Tour de Tversted

Wir hatten damals die fulminante Idee, uns in Hirtshals Fahrräder auszuleihen und entlang der Küste zu radeln. Ich weiß nicht mehr, woher wir die Informationen erhalten hatten, dass eben dieser Küstenwald (klitplantage) zwischen Hirtshals und Tversted so traumhaft sein sollte, aber mit diesem ‚Wissen‘ machten wir uns auf die Suche nach dem Fahrradweg.

Unbenannt

Ich hatte damals noch kein Smartphone und ahnte daher nicht, was wir uns da vornehmen wollten, heute rate ich werdenden Zwillingsmüttern ohne trainierte Profi – Radlerwadln von einem derartigen Ausflugsabenteuer ab. Obwohl es ein unvergessliches Erlebnis geblieben ist.

Mit dem Fahrrad entlang der Küste 

Es dauerte schon mal drei Anläufe – raus aus Hirtshals, rein nach Hirtshals und dann wieder ein Stück den Hügel hoch – , bis wir uns endlich auf dem gewünschten Radweg befanden. Und weil die Klitplantage tatsächlich zauberhaft ist, flogen wir Kilometer um Kilometer Richtung Tversted. Doch nicht nur wir.

Wir wunderten uns ein wenig, dass dort derart viele Radler unterwegs waren! Viele von denen hatten sogar Anhänger mit Bierkästen drin und alle lachten und waren supergut gelaunt! Teilweise angetrunken!

Ist heute ein Feiertag, von dem wir nichts wissen oder was ist denn hier los? 

Damals sprachen wir noch kein Dänisch und daher verstanden wir auch kein Wort von dem, was uns die Menschen beim Überholen oft so fröhlich zuriefen.

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Manche waren verkleidet, manche fuhren als gleich gekleidetes Team, andere hatten Tröten dabei – ich kam mir vor wie auf der Tour de France!

Nur eben in einem Dünenparadies

Nach einer ganzen Weile öffnete sich der Wald und gab den Blick auf einen Traum von Dünenlandschaft frei:

 

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Hirtshals

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Eigentlich war ich an dieser Stelle schon am Ende meiner Kräfte angelangt, doch wir wussten, Tversted würde nicht mehr weit sein und dort würden auch wir eine lange Pause einlegen.

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Wir erreichten Tversted – wie hunderte andere auch!

Wir sprechen Norwegisch! 

Überall im Ort hingen Schilder, die zu verstehen gaben, man spräche auch Norwegisch und alle Restaurants, Cafés und die windigsten Kneipen waren drinnen wie draußen proppevoll. Musik und gute Laune verwandelten die Straßen in eine große Partyzone.

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Während unserer angenehm langen Pause konnten wir in Erfahrung bringen, in welches Spektakel wir da eigentlich geraten waren:

Jedes Jahr im August machen sich Norweger daran, mit dem Fahrrad von Hirtshals nach Skagen zu radeln.

Es sei ein großer Spaß, an dem sich manche sogar schon mehrere Jahre beteiligten. Im Vordergrund stehe dabei nicht die Geschwindigkeit, sondern der gemeinsame Spaß [auch Norweger kennen Hygge und alles ist bei denen hyggelig 😉 ], was die Tröten, Kostüme, Alkoholanhänger und selbstgezimmerten Aufbauten auf manchen Vehikeln erklärte.

Den liebevoll besorgten Vorschlag des gsM, alleine zurückzuradeln, das Auto zu holen und uns beide dann mitsamt den Radeln zu „retten“, lehnte ich übermütig ab.

Das geht schon noch, fahren wir halt etwas langsamer.

Ja, es ging.

Aber wie?!

Wenige Kilometer vor Hirtshals durfte mich keiner meiner lieben Männer mehr dazu zwingen, vom Rad abzusteigen und schon gar nicht wegen etwas Unnötigem wie Essen, Trinken oder gar Biesln…!

Weiter!

Auch auf Fotos hatte ich definitiv keine Lust mehr und jede Verlangsamung der Geschwindigkeit wurde übelst und lautstark bemeckert. Meine Beinmuskeln hatten nämlich irgendwann damit begonnen, unkontrolliert und äußerst schmerzhaft zu zucken, sobald ich mit dem Treten aufhörte oder aus dem Rhythmus kam.

Ich wollte nur noch Heim, obgleich Landschaft und Wetter mir aufmunternd zuzulächeln schienen.

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Sogar die berühmte Eisdiele „Det blå ishus“ konnte mir gestohlen bleiben und wir haben diese tatsächlich erst im August 2016 zum ersten Mal aufgesucht.

Tversted Klitplantage, der Strand und das blaue Eishaus sind tatsächlich einen Besuch wert. Wir waren mittlerweile mehrmals und mit unterschiedlichen Fahrzeugen dort (mehr davon demnächst), jedoch nicht mehr mit dem Fahrrad.

Vermutlich muss ich nicht explizit erwähnen, dass ich den darauffolgenden Tag fix und fertig im Ferienhaus verbringen musste.

Auf der Couch.

Schokolade essend.

Sehr viel Schokolade 😉

Schriftzug Meermond klein Bilderstempel

27 Gedanken zu “Tversted – Eine „Tour de France“ für werdende Zwillingsmütter?

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  3. Solche Strapazen kann man auch nur mit einem ganzen Berg Schokolade auskurieren. 😀 Ich kann mich an eine „Radwanderung“ mit meinem sehr agilen Vater rund um den Chiemsee erinnern, da ging es mir so ähnlich – das sind fast 100 Kilometer 😉 – allerdings habe ich damals nicht zu Dritt auf dem Rad gesessen. 😉

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  4. Das sind so die Momente im Leben, die während man sie erlebt so grauslich sind, dass man sie nur beenden möchte, die aber dann zu den schönsten Erinnerungen werden. Vielleicht lässt sich aus der Tour aber auch ein fixer Bestandteil von ordentlichen Zwillingsschwangerschaften machen 🙂

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  5. Das erinnert mich, wir machten, ich war im 8. Monat eine „kleine“ Wanderung an der Ostsee und an irgendeiner Stelle haben wir wohl die Richtung verloren. Es wurden fast 20 km und Männe hatte schreckliche Sorge, och könnte irgendwo mitten in der Pampa niederkommen 😉
    Tolle Geschichte!

    Gefällt 3 Personen

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