Wie macht ihr das eigentlich so?

„Kommt ihr dieses Jahr runter?“

Das ist die Frage, die uns derzeit am häufigsten gestellt wird. Verständlich, denn viel zu viele Herzmenschen warten in Bayern darauf, uns endlich wieder in die Arme nehmen zu können, mit uns feiern und Zeit mit uns zu verbringen.

Dieses Jahr reisen wir in den Weihnachtsferien nicht nach Bayern, denn zwei unserer Herzmenschen haben sich dazu entschlossen, die schönste Zeit des Jahres bei uns in Dänemark zu verbringen. Und wir freuen uns schon sehr.

„Wir sollten uns mal genauer umhören, wie man ein richtig dänisches Weihnachtsfest feiert!“, so der wundervolle, große, schwarze Mann freudestrahlend. Schließlich möchte er den Herzmenschen gerne zeigen, wie man das so macht in Dänemark.

Aber wie macht man das eigentlich so richtig dänisch?

Dänische Weihnachten

Der Weihnachtsbaum wird bunt geschmückt mit Kugeln, Zuckerstangen, Herzen und Spitztüten aus Papier, die man kræmerhus nennt. In diese steckt man Süßigkeiten für die Kleinen (oder Großen). Ich habe auch schon Bäume mit Papierketten oder mit Fahnengirlanden gesehen. Festtage sind in Dänemark flagdage und so darf auch ein Christbaum mit dänischen Fahnen geschmückt werden.

Der Christbaum wird so in den Raum gestellt, dass die Familie im Idealfall um ihn herum tanzen kann. Es wird nämlich viel gesungen in der dänischen Kultur! Und viele der Weihnachtslieder klingen kindlich – fröhlich und heiter. Das stimmungsvolle „Stille Nacht“ kennt und singt man hier zwar auch, doch erfreut es sich nicht der außerordentlichen Beliebtheit wie in Deutschland.

Die Stimmung des dänischen Weihnachtsfests ist anders als die eines deutschen. Ich finde, man kann es am besten so beschreiben:

Das ist zwar schon ein sehr altes Lied und ich habe es hier schon einmal vorgestellt, aber man hört es im Moment ständig. Darum werde ich es jetzt meinen treuen Lesern ein zweites Mal zumuten 🙂 .

Na, haben Sie mal Lust auf das dänische Gegenstück zum ewigen „Last Christmas“? Bitte sehr, Sie wollten es nicht anders. Ich hasse dieses Lied inzwischen und sehne mich nach Wham:

 

 

Sehr eigenartig ist es für mich, dauernd die Melodie vom „Bi-Ba-Butzemann“ und „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ zu hören. Das sind hier Lieder, die man in der Weihnachtszeit singt!

Weihnachtstraditionen  

Zu einem Weihnachtsfest gehören hopsende Kinder, Lieder, rote Zipfelmützen und ein üppiges Mahl. Denn während man in Deutschland das Festmahl lieber am ersten Weihnachtstag abhält, füllt man sich hier bereits am heiligen Abend ordentlich den Magen:

Es gibt gehaltvolle Fleischbraten (Ente, Pute, Schweinebraten o.ä.) mit brunede kartoffler (karamellisierte Kartoffeln) und Blaukraut (hochdeutsch: Rotkohl). Leider darf man danach nicht pappsatt auf die Couch niedersinken, denn jetzt geht es los mit den Weihnachtstraditionen!

Zum Nachtisch wird nämlich risalamande serviert. In diesem Sahnemilchreis mit Mandelstiften wird eine ganze Mandel „versteckt“ und wer jene findet, der bekommt das sogenannte mandelgave.  Die Supermärkte bieten im Moment eine große Auswahl an verschiedenen Kirschsaucen, denn die wird dazu gegessen. Schmeckt ausgezeichnet, aber als Nachtisch nach einem Braten ist mir das definitiv zu heftig.

Wer mag, der besucht eine Christmette, andere hygger sig und befassen sich mit den Geschenken.

Da gibt es auch wieder verschiedene Möglichkeiten, sie zu überreichen. Viele Dänen spielen wohl das pakkeleg, das man auf julefrokost (Weihnachtsessen mit Firma, Vereinen usw.) spielt.

Hierzu braucht man pro Person ein Geschenk und je nach Teilnehmerzahl einen oder mehrere Würfel. Wer eine Sechs würfelt, darf sich ein Geschenk nehmen und wenn man es richtig „gemein“ mag, erlaubt man nach einer geworfenen Sechs einen weiteren Wurf. Das macht man solange, bis der für das Spiel vorgesehene Päckchenberg verteilt ist. Dann werden die Geschenke aufgemacht.

Aber jetzt zeigt sich erst der wahre Humor der Dänen: Das Spiel geht nämlich weiter.

Es wird eine Stoppuhr gestellt, aber die Zeit wird nicht verraten. Man weiß also nicht, wie lange man noch würfeln darf! Jetzt geht es darum, mit einer gewürfelten Sechs Geschenke von den anderen zu klauen! Man würfelt sich die Seele aus dem Leib, um möglichst viele Geschenke zu bekommen, bevor die Zeit abgelaufen ist. Man darf sich mehrere erwürfeln.

Ich brauche nicht zu erwähnen, dass dieses Spiel bei dem einen oder anderen richtig üble Seiten zum Vorschein bringt! Wenn die Zeit abgelaufen ist, ist das Spiel zu Ende und wer dann kein Geschenk mehr vor sich liegen hat, der hat schlichtweg Pech gehabt.

In uns bekannten Familien mit kleinen Kindern spielt man das anders. Wer eine Sechs würfelt, der darf ein Geschenk nehmen und bestimmt dann ein Familienmitglied, das dann ein Päckchen auspackt. Jedes Geschenk wird umfassend gewürdigt und ausprobiert, sodass sich das Auspacken schon mal ein paar Stunden hinziehen kann!

„Die Kinder sind letztes Jahr eingeschlafen, weil es so lange gedauert hat. Sie haben dann am 25. weiter ausgepackt!“, lachte meine Freundin.

Sie verstand mein ungläubiges Staunen nicht so ganz, stehen doch an Weihnachten Hygge und Familienzeit und nicht die Geschenke im Vordergrund. Da hat sie allerdings Recht, aber wie soll ich meinen verwöhnten Kindern das verklickern?

Was also machen wir dieses Weihnachten?

Wir machen es so wie immer!

Mag zu den Dänen der julemand und julenisser kommen, bei uns gibt es die Geschenke vom Christkind. Weil der Weg von Bayern bis nach Nordjütland so weit ist, müssen wir unseren Baum eben selbst schmücken:

2Wir brauchen dazu den ganzen Vormittag des heiligen Abends und es ist mehr oder weniger gemütlich in unserem Wohnzimmer. Aus den Lautsprechern dudeln Weihnachtslieder mit deutschem Text und den Glühwein für die Erwachsenen koche ich selbst. Dänischer Gløgg ist mir zu süß. Die Kinder hüpfen auch herum, aber vor Aufregung.

Wenn es dunkel wird, feiern wir einen heiligen Abend, wie Millionen andere Deutsche es auch tun:

Mit einem schnellen Gericht am Abend, Geschenken und glasigen Augen vor dem Christbaum, der in der Ecke steht.

Wir finden viele Dinge schön und nachahmenswert in unserem neuen Heimatland, aber Weihnachten ist und bleibt ein Fest der Familie und Traditionen. Und unsere Wurzeln sind nun mal bayrisch und daher katholisch geprägt.

Und daher sind wir vermutlich auch die einzige Familie hier, zu der am 6. Dezember der Sankt Nikolaus kommt. Und weil zu einem bayerischen Nikolaus ein echter Krampus gehört, kommt der eben auch mit:

1

Dass unser Krampus (Knecht Ruprecht) kein Wort von dem verstanden hat, was Nikolaus den Zwillingen aus seinem großen Buch vorgelesen hat, spielt keine Rolle. Unser finnischer Freund mimte vermutlich den beeindruckendsten und größten Krampus, den ich jemals gesehen habe! Über 2 Meter groß, mit Buckel und gruseliger Mine stand er schweigend neben meinem Prachtsohn, dem die Zwillinge artig Gedichte aufsagten und Besserung versprachen.

So, und nun habe ich das Bedürfnis, ein deutsches Weihnachtslied zu singen:

Last Christmas I gave you my heart
But the very next day you gave it away
This year, to save me from tears
I’ll give it to someone special …

3

 

35 Gedanken zu “Wie macht ihr das eigentlich so?

      • Zumindest zuhause hat man ja wenigstens die Möglichkeit, mit Kopfhörern voll eigener Musik rumzulaufen oder der Familie mit der Entsorgung sämtlicher Radio- und TV-Empfangsgeräte im nächsten öffentlichen Gewässer zu drohen (Letzteres alljährlich bei mir, wenn mein Gemahl in den letzten zwei, drei Wochen vor Rosenmontag jede, aber auch wirklich *jede* Karnevalssendung in Funk und TV mitnimmt… 😀 ). Nur draußen wird’s halt schwierig…

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  1. Den Weihnachtsbaum🎄mittig im Raum zu stellen und drumrum zu tanzen, finde ich äußerst gelungen. Das macht Weihnachten fröhlich und nicht nur so besinnlich, wie es hierzulande so üblich ist. LG Ela🎅

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  2. Mir ist das Nisselied wesentlich lieber als Jingle Bells, aber das mit der Oma mit dem Motorrad ist mir noch nicht aufgefallen. Kennst du den dänischen Text?
    Das letzte Mal als wir mit der ganzen dänischen Familie gefeiert haben, landeten so 60 Prozent aller Kleingeschenke bei dem ältesten Sohn meines Mannes und seiner Freundin. Da lernen die Kleinen von Anfang an: wie gewonnen, so zerronnen … 😉

    Das mit dem um den Weihnachtsbaum tanzen haben wir nie gemacht, aber zuhause bei ihrer Mutter machten die Jungs das. Mir gefällt das fröhliche Weihnachten in Dänemark besser als das melancholische in Norddeutschland.

    Als wir klein waren, kam bei uns der Weihnachtsmann. Später war es dann auf einmal das Christkind. Ich weiss nicht wann und warum sich das änderte, vielleicht weil wir nicht mehr an den Weihnachtsmann glaubten? Ich wollte ja immer das Christkind sehen, aber wenn wir ins Weihnachtszimmer kamen, stand meine Mutter am Fenster und winkte und zog dann die Gardinen zu. Dann bekamen wir zu wissen, dass das Christkind nicht mehr warten konnte und weiter musste. Und so war das natürlich jedes Jahr, bis wir auch daran nicht mehr glaubten, zumindest nicht daran, dass das Christkind mit Geschenken kam.

    Einmal waren wir bei unseren Freunden in Flensburg mit drei verschiedenen Arten Rotkohl und Qorn-Braten. Seit einigen Jahren feiern wir Weihnachten für uns allein, gemütlich und ruhig mit vielleicht einem Herr-der-Ringe-Marathon. 😉

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    • Wüsste ich den Text, wäre das ja ganz einfach. Ich summ dir morgen die Melodie vor, vielleicht kennst du oder dein Mann dann den Text. Das würde mich nämlich selbst interessieren!
      Danke für deine schönen Weohnachtserinnerungen in deinem Kommentar 💕

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      • Ich habe ihn schon gefragt, denn die Melodie von dem Refrain im Hühnerstall kenne ich. Das ist irgendwas mit Julegodter und rotter på loftet. Die Ratten auf dem Boden werden auch mit risengrød gefüttert. Ich dachte immer, die war nur für Nisser. Naja, was weiss ich schon … 😉 Der gG kennt das Lied jedenfalls und kann uns das vorsingen.

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  3. Ich liebe das – julebal in Nisseland…. Bin wieder begeistert über deine Geschichte der dänischen Weihnacht. Besonders gefällt mir deine Unvoreingenommenheit gemixt mit einem Augenzwinkern. Vielen Dank. Und weiterhin eine schöne Adventszeit.

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  4. Also bei uns kommt der Nikolaus nachts klamm und heimlich, stopft die Schuhe voll und verschwindet wieder…
    Wie feiere ich Weihnachten? Hmmm… Heiligabend werde ich bis 16h mich mit Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt betrinken. Da dieser dann schließt, werde ich heim schwanken, mich vor den TV werfen, dabei versuchen zu häkeln und noch den ein oder anderen Glühwein aus der Pulle erhitzen… Und am 25. heißt es dann wieder um 5 aufstehen und zur Arbeit gehen…

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  5. Haha die Weihnachtsrituale klingen ja echt nach ner Menge Spaß, vor allem das Würfel Spiel. Ich freue mich schon riesig auf dieses Weihnachten, da ich die letzten 3 Jahre in Indien war und Hindus keine Weihnachten feiern, ist es auch für mich ausgefallen. Dieses Jahr sind wir wieder in Deutschland und ich freue mich wie ein kleines Kind. ♡

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  6. Ich wünsche euch eine schöne Vorweihnachtszeit und auch an Weihnachten Liebe, viel Gemeinsamkeit und friedvolle Stunden mit euren Lieben.
    Macht es euch schön.
    Danke auch für diesen sehr informativen Bericht.
    Als wir noch in NRW lebten, waren wir an allen 1. Feiertagen bei der Familie meiner Mutter und an den 2. bei der Familie meines Vaters.
    Ein Highlight war immer an Allerheiligen, wenn wir gemeinsam zur Messe und dann auf den katholischen Friedhof gingen. Er war abschüssig und auf jedem Grab leuchtete das Grablicht, ein Anblick, der sich bei mir so festgesetzt hatte… einfach schön.

    Herzlich Anna-Lena

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    • Danke für deine lieben Worte, Anna-Lena!
      Ich kenne die Allerheiligengräber zu gut und es tatsächlich ein (traurig)schöner Brauch, die Gräber der lieben Verstorbenen zu ihrem Andenken zu schmücken.
      Es ist schwierig, die eigene Kultur in einer neuen zu verankern, aber wir gestalten unser Fest so, wie wir es lieben. Was dann dabei heraus kommt, werden wir sehen. Vermutlich irgendwann ein Mischmasch.
      Ich hoffe, dass du ebenfalls ein schönes Weihnachtsfest im Kreise deiner Lieben haben wirst und grüße dich ganz herzlich,
      Meermond

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