Blick vom Bulbjerg – eine Reise in die Erdgeschichte

Dänemark ist ein Inselreich.

Es zählt in etwa 1400 Inseln, von denen unter hundert bewohnt sind. Auf den kleinsten von ihnen lebt nur ein einziger Einwohner: der Leuchtturmwärter. Die Inseln haben eine Fläche von knapp 43.000 kmund bilden die stattliche Küstenlänge von 7300 km. Nur 67 Kilometer an der deutschen Grenze verbinden Dänemark mit dem Festland.

Auf Seeland, der größten dieser Inseln lebt beinahe die Hälfte aller Dänen! Wir wohnen auf der zweitgrößten, nämlich Nordjütland. Obwohl dies nördlich des Limfjords liegt und in geografischem Sinne seit 1825 tatsächlich eine Insel ist, wird es irgendwie nicht als solche wahrgenommen! Und der Limfjord ist genau genommen auch gar kein Fjord mehr, sondern ein Sund, also eine enge Meeresstraße.

Die dänische Küste als Urlaubsparadies

Über 1000 Kilometer Küste bestehen aus weißen, sandigen Dünen und breiten Sandstränden, die jährlich tausende von Touristen anlocken.

Dass Wind und Meer der Küste im Vendsyssel besonders zusetzen und sie quasi „wegfressen“, übt einen makaber faszinierenden Reiz auf uns Menschen aus.

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Der bald ins Meer stürzende Leuchtturm Rubjerg Knude Fyr wird häufiger besucht als je zuvor und die an der Kante stehenden Häuser in Løkken, Nørlev und Nr. Lyngby gehören vermutlich zu den meistfotografierten Gebäuden Nordjütlands.

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Die einzige Felsenküste findet man auf Bornholm und die Kalksteinfelsen bei Stevns und auf Møn in Ostdänemark liefern faszinierende Fotomotive:

Der Bulbjerg

„Das haut mich jetzt völlig um!“, war das einzige, was ich noch hervorbringen konnte, als ich vergangenes Wochenende auf dem Bulbjerg stand und den herrlich weiten Blick über die Jammerbucht genießen konnte.

Natürlich kannten wir den Bulbjerg und hatten schon oft über seine aberwitzige Höhe von 47 Metern, die ihm also die Bezeichnung „Berg“ verleiht, geschmunzelt. Als Bayern empfinden wir diese 47 Meter Berg quasi als Schlittenberg, doch das eiszeitlich hügelige Vendsyssel ist eher flach. Daher ragt der Bulbjerg wirklich beinahe majestätisch aus dem Land heraus und wird seinem Namen durchaus gerecht.

Als Kind hatte ich schon mehrmals auf dem Bulbjerg gestanden und habe sogar noch die 1978 umgefallene Felsennadel Starreklit in Erinnerung, aber als besonders spektakulär sind mir diese Ausflüge nicht im Gedächtnis geblieben.

Ein Fehler.

Der Bulbjerg IST spektakulär!

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Blickrichtung Hanstolm

Wir hatten das Glück, während unseres verlängerten Wochenendes arktische Kälte mit Sonnenschein und glasklarer Luft zu erleben, was uns unglaubliche Weitsicht und damit traumhafte Fotomotive lieferte.

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Hier stand einst der Starreklit.

Wie immer entscheidet man selbst, wie weit man sich an den Abgrund traut, denn es schützen weder Geländer noch Absperrungen vor der Tiefe.

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Kleine Holzpfosten mit Aufschrift warnen die Besucher, sich weiter hinaus zu wagen.

Auf dem Bulbjerg können Bunker aus dem II. Weltkrieg besichtigt werden, aber ich habe schon viel zu viele davon in meinem Leben gesehen und auch betreten, darum habe ich nicht einmal ein Foto davon geknipst.

Einen filmischen Ausblick habe ich unter den Highlights bei Instagram hinterlegt. Da ich bedauerlicherweise in der Instagram – App gefilmt und daher die Kamera horizontal gehalten habe [Sehr ärgerlich, das mache ich definitiv nie wieder!], kann aus diesen Aufnahmen vermutlich nicht einmal der wundervolle Prachtsohn einen ansehnlichen Film für YouTube zaubern, den ich hier im Artikel verlinken möchte. Bitte folgt daher dem obigen Link zu Instagram, wenn ihr ein Smartphone und die App benutzt, oder guckt unten im Kommentarstrang.

Der Blick auf 65 Millionen Jahre Erdgeschichte

Als ich am Strand auf den Bulbjerg zuging, hielt ich die weißen Hubbelchen im Sand voreilig für Schaum. Tatsächlich handelt es sich aber um Kalkgestein aus der Kreidezeit.

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Der Bulbjerg, auch Jütlands Schulter genannt, ist der einzige Felsen in Jütland und bietet vielen Vogelarten eine Heimat. Nähert man sich ihm, werden die Spuren der Abtragung durch die Naturgewalten immer deutlicher sichtbar.

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Der witzige Schattenwurf des Warnschildes ist gar nicht so makaber angesichts der Tatsache, dass der Kalkfelsen einer ständigen Erosion durch Wind und Wetter ausgesetzt ist. Unbarmherzig verschlingen die Wellen der Nordsee große Kalksteinstücke und lagern jene schließlich am Strand ab.

Ursprünglich war Bulbjerg eine vom Meer, das bis zum Beginn unserer Zeitrechnung Teile der Landschaft Thy bedeckte, umgebene Insel, zumal der Felsen während der Wikingerzeit als eine Peilmarke zur Anzeige dessen diente, wo sich die Öffnung hin zur Nordsee befand. Damals befuhren die Schiffe von der Wikingerburg Aggersborg den Limfjord Richtung Vust und erreichten am Ende Bulbjerg, im 12. Jahrhundert kam es aber zur Versandung dieser Route, so dass aus dem Sund Limfjord vorübergehend ein Fjord wurde.

Quelle: https://www.visitnordjylland.de/de/natur-urlaub/bulbjerg-vogelfelsen

Während mein wundervoller gsM ein Foto nach dem anderen knipste und am liebsten unter den Felsvorsprung gekrochen wäre, hüpften die Zwillinge und ich kleine Mutproben zwischen den Kalkstücken und fingen Schmelzwasser im Becher auf.

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Februar

Die großen Eiszapfen schmolzen nämlich in der erstaunlich kräftigen Sonne und unser Becher füllte sich zügig mit salzig schmeckendem Wasser.

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Paradies für Fotografen

Wir trafen an jenem Tag auf ziemlich viele Fotografen, die mit offensichtlich richtig teuren Objektiven und Stativen auf ihren besten Shot warteten. Und als die Sonne sich aufmachte, uns allen einen besonders schönen Untergang zu präsentieren, gingen immer mehr von ihnen „in Stellung“. Den Kindern und mir wurde es mit schwindender Sonnenwärme zu kalt und wir zogen uns schließlich ins Auto auf dem Bergparkplatz zurück, um auf den gsM zu warten.

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Ich denke, selbiger wird sich sicherlich zu einem bald folgenden, kleinen Gastbeitrag mit professionellen Fotos überreden lassen…

Auf alle Fälle möchte ich im Sommer wieder zum Bulbjerg!

Ich denke da nämlich an ein hyggeliges Picknick an einem der selbstverständlich vorhandenen Tische und da auf dem Berg auch eine öffentliche Toilette vorhanden ist, darf die mitgebrachte Kaffeekanne getrost etwas größer sein…

Hast du nun Hunger auf mehr Dänemark? Probier doch mal einen dänischen Æblekage  oder komm dem Geheimnis dänischer Pizza auf die Spur. Entdecke weitere Köstlichkeiten der dänischen Küche und folge mir bei Facebook oder Instagram.

Über eine Weiterempfehlung oder ein Like freue ich mich sehr. 

Danke ❤ 

Vi snakkes ved,

Schriftzug Meermond

25 Gedanken zu “Blick vom Bulbjerg – eine Reise in die Erdgeschichte

  1. Pingback: Grønnestrand: der schönste Flecken Dänemarks | Meermond

  2. Pingback: Bjergelaug – [Über]Leben in der Jammerbucht | Meermond

  3. Liebe Meermond, ich als absoluter Flachland – Tiroler empfand Bulbjerg tatsächlich als – ja, Berg. Also ziemlich hoch….. Der Ausblick ist atemberaubend, das stimmt. Du machst mit deinem Text so viel Lust, dass wir in diesem Jahr wieder einen Ausflug dorthin machen werden. Dieser Beitrag ist dir hervorragend gelungen. Und die wunderbaren Bilder dazu. Ich danke dir von Herzen. Jutta.

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  4. Vor vielen Jahren habe ich an der östl. Küste mal Urlaub gemacht. Das war von Skagen südl. bis Ebeltoft. Erinnern kann ich mich noch an die „tilsandete Kirche“. Ich weiß nicht, ob die Schreibweise so richtig ist. Aber es ist mir in Erinnerung geblieben, weil es schön war.

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