Meermond
Leben in Dänemark Leben in DK

Gækkebreve und Leckeres zu Ostern

Ostern naht und die Regale im Supermarkt füllen sich mit bunten Schokoeiern, Osterhasen und fluffigen Küken.

Es wird also in Dänemark nicht nur der Auferstehung Jesu Christi gedacht, sondern auch der Brauch des Eierfärbens und des Eiersuchens, selbstverständlich vom Osterhasen versteckt, gepflegt.

Påskefrokost und påskebryg

Wie ich im letzten Beitrag schon erklärte, hat Essen einen hohen Stellenwert im dänischen Alltag und darum gehört zu einem richtigen Osterfest eine besonders festliche påskefrokost [Mittagessen], welche oftmals bereits lange vorher vorbereitet wird. Wie in Deutschland serviert man hierzu gerne diverse Gerichte mit Lamm, aber auch Speisen mit frisch sprießenden Kräutern. easter-2206609_1920

Hauptsache, die Familie sitzt beisammen und genießt ihr Miteinander. Um das Heim und die  gemeinsame Zeit besonders wertvoll zu gestalten, gibt es viele Anregungen zu österlicher hygge und pynt [Dekoration] in den aktuellen Medien, aber auch zahlreiche Anregungen für Unternehmungen und Ausflüge mit den Kindern. Wir werden uns vermutlich die eine oder andere Idee von so einer Liste holen, besonders die Aktualisierung der Naturspielplätze finde ich toll. Hoffentlich bessert sich das Wetter bis dahin, denn noch möchte man lieber god jul [frohe Weihnachten], denn god påske wünschen!

IMG_20180301_172735_668An Ostern bietet sich den dänischen Brauereien eine weitere Gelegenheit, Spezialbiere zu brauen und so steht nun ein påskebryg in den Regalen.

Dessen Erstausschank wird aber nicht so frenetisch gefeiert wie der des julebryg, doch soll ein freudiges „Kylle Kylle“ zum Probieren einladen.

Ich habe schon gehört, dass es auch einen p-dag geben solle, aber offenbar spielt der keine so große Rolle wie der j-dag, über den ich hier schon ausführlicher berichtet habe.  

Zu Ostern wird in Dänemark also gerne gezwitschert, wie man augenzwinkernd anmerken könnte. Nach einem deftigen Ostermahl gönnt man sich einen Klaren, meist Aquavit.

Ich mag ja bekanntlich Eierlikör zu Ostern, doch den suchte ich erneut vergeblich. Dänen trinken den offensichtlich nicht.

Und noch ein Ei – påskeæg og påskesødt

An Ostern ist es in Dänemark Tradition, zur Kaffeetafel besonders feine Torten oder Eier zu genießen, wobei letztere gerne ebenfalls süß sein dürfen. Wie so ein påskeæg dann aussieht und wie man es macht, erfährt man zum Beispiel beialt.dk.

Schon die Zutatenliste liest sich für mich  „typisch dänisch“: easter-182853_1280

100 g Marzipan
50 g weiße Schokolade
1 Esslöffel Zitronensaft
1 Esslöffel gefriergetrocknete Brombeeren
1/2 Teelöffel Lakritzpulver

Dekoriert wird mit 100g weißer Schokolade und getrockneten Essblumen.

Pappsüß, mit Marzipan und liebevollem Pynt – so strahlen an Ostern nicht nur Kinderaugen.

Gækkebreve

Um eine besonders hyggelige Osterzeit verbringen zu können, ist es wichtig, das Zuhause liebevoll zu schmücken. Kerzen, (Papp)Eier, Blumengestecke, Küken und Hasen bringen frühlingshafte Farben in die Wohnung. Wie an Weihnachten greifen die Dänen auch in der Osterzeit zur Schere. Ob es neben dem juleklip [Papierbastelei mit der Schere] auch ein påskeklip gibt, entzieht sich bedauerlicherweise meiner Kenntnis, doch ich habe bereits viele Hasengirlanden, Blumen und Eier in den Fenstern der Schulen und Kindergärten gesehen.

Eine Besonderheit am dänischen Osterfest sind die gækkebreve. Ein gæk ist eigentlich ein Narr, also hat diese Tradition etwas mit scherzhaftem Necken zu tun.

snowdrop-3175572_1920Gleichzeitig versteckt sich der gæk auch im Namen des Schneeglöckchens: vintergæk. Der ursprünglichen Tradition folgend gehörte in so einen Scherzbrief auch ein Schneeglöckchen hinein. Der älteste noch erhaltene Gækkebrief stammt aus dem Jahr 1770!

Diese Unfugbriefe sind im eigentlichen Sinne selbst gebastelte Grußkarten mit einem kleinen Gedicht und werden ohne Absender verschickt. Einzig die Anzahl an Punkten gibt eine Hilfestellung zum Namen, der erraten werden soll. „Mit navn det står med prikker“ – für jeden Buchstaben wird also ein Punkt gemacht. Der Empfänger hat drei Versuche, den Namen zu erraten und wenn es ihm nicht gelingt, so muss er ein Osterei spendieren.

Ich habe mich mal an so einem Scherenschnitt versucht. Es gibt mehrere Videoanleitungen dazu, diese hier kommt sogar ohne ein einziges gesprochenes Wort aus:

Da ich noch ein Anfänger bin, verzichtete ich auf üppige Blumendekorationen und filigrane Verzierungen, doch bin ich mit meinem Erstversuch ziemlich zufrieden.

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Ich werde meinen Brief noch mit einem Gedicht beschriften. Bei meiner Recherche stieß ich am häufigsten auf folgende, traditionelle Zeilen:

Gæk, gæk, gæk. Mit navn det står med prikker, pas på det ikke stikker!“

[Narr, Narr, Narr. Mein Name steht in Punkten, pass auf, dass er sich nicht sticht!]

Es gibt inzwischen eine ganze Menge moderner Gedichte, mir gefällt dieses hier:

 

digt

●●●●●●●●

Kleine, weiße Blume flieg hin zu meinem Freund. Du machst dich mit Recht zum Narren, wenn du meinen Namen nicht erraten kannst.

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Willst du mehr über die Kultur und Bräuche in Dänemark erfahren? Hier hinterfrage ich das „Typisch Dänisch“ in Teil 1, Teil 2 und Teil 3. Über eine Weiterempfehlung oder ein Like bei Facebook oder Instagram freue ich mich sehr. 

Danke ❤ 

Vi snakkes ved,

●●●●●●●● 😀

 

 

[Bilderquelle: pixabay.com]

21 Kommentare

  • Antworten
    Paper Stories in Blokhus | Meermond
    10. April 2018 at 20:16

    […] kann selbst basteln und falten, man kann die zur Osterzeit üblichen Gækkebreve [hier habe ich schon einmal davon berichtet] kennen lernen, springende Frösche und den weltbesten Papierflieger der Welt […]

  • Antworten
    ein Hauch Danmark
    11. März 2018 at 21:02

    In welchen Supermarkt muss ich für das Osterbier???

    • Antworten
      Meermond
      11. März 2018 at 22:42

      Ach das gibt’s jetzt überall. Ich habe einen Prospekt vom Netto abfotografiert…. 🤗

  • Antworten
    Ewald Sindt
    9. März 2018 at 17:48

    Es macht soviel Freude, deine Beiträge zu lesen. Danke für die viele Mühe, welche du in deinen Blög investierst, damit wir Freude daran haben. 😊😊😊
    Lieben Gruß, Ewald

    • Antworten
      Meermond
      9. März 2018 at 20:10

      Lieber Ewald, ich danke dir für die Anerkennung. Es freut mich, dass man die Liebe, die ich in den Blog stecke, als Leser bemerken kann. Komplimente wie deine sind eine Bestätigung, dass sich die Mühe lohnt 💕
      Liebe Grüße

  • Antworten
    Jutta
    9. März 2018 at 13:36

    Liebe Meermond, ich lese so gern deine Beschreibung über Land und Leute. Vielen Dank für deine Mühe. Hab eine schöne Zeit. (Dein Scherenschnitt ist gut gelungen und wird vor allem deine Kinder sehr erfreuen.) Liebe Grüße von Jutta.

    • Antworten
      Meermond
      9. März 2018 at 14:30

      Liebe Jutta, ich danke dir sehr für diese anerkennenden Worte. Über deinen aufrichtigen Dank freue ich mich ganz besonders <3
      Ich wünsche dir ein wundervolles Wochenende!

  • Antworten
    dergsm
    9. März 2018 at 11:06

    Die staunenswerten Einblicke in eine (noch) fremde Kultur und dabei aufkommenden Überraschungen sind immer wieder toll! Danke für die Recherche. 😊 Es hat sich aber wohl ein kleiner Übersetzungsfehler eingeschlichen: wenn ich es richtig weiß, ist „flyv hen“ der Imperativ, und es müsste also „Kleine, weiße Blume flieg hin zu meinem Freund“ heißen. Vielleicht weiß Stella das genauer?

    • Antworten
      Meermond
      9. März 2018 at 11:27

      Jawohl, da hast du Recht, da ist ein kleiner Fehler. Es heißt tatsächlich flieg hin! Ich benenne das jetzt mal frech als Rechtschreibfehler, den ich ausbessern werde. Vielen Dank für das aufmerksame Mitlesen!
      Übrigens ist es schon saukomisch, dass der eigene Ehemann durch meinen Blog auf Dinge aufmerksam wird, von denen er vor seinem Ende seines Arbeittages noch gar keine Ahnung hatte. Es gibt also immer wieder was Neues, wenn du Feierabend hast 😀
      <3

    • Antworten
      Stella, oh, Stella
      9. März 2018 at 18:27

      Jo, der GSM hat Recht, Imperativ!

  • Antworten
    alltagschrott.ch
    9. März 2018 at 9:48

    Oh, etwas mit Marzipan. Das ist in unserer Familie sehr beliebt. Danke für die leckeren insights 💖
    Herzliche Grüße. Priska

    • Antworten
      Meermond
      9. März 2018 at 10:53

      Oh bitte, das macht mir selbst immer großen Spaß, über solche neuen Entdeckungen zu berichten!
      Übrigens sind Marzipan und Lakritze die „Lieblingswürzmittel“ der Dänen. In fast allen Kuchen ist Marzipan drin und ich habe sogar schon einen flødeboller, also so einen Schokoschaumkuss [ich weiß leider nicht, wie ich die Dinger politisch korrekt auf Deutsch nennen muss…], mit Marzipangeschmack und Marzipanplatte gegessen. Lakritze kann hier überall drin sein, vom Weihnachtsplätzchen bis zur Salatsauce 😀
      Andere Länder, andere Geschmäcker 😀

  • Antworten
    kunterbunt79
    9. März 2018 at 6:41

    oh schön

  • Antworten
    Stella, oh, Stella
    9. März 2018 at 0:14

    Diesen ganzen Osterkram habe ich immer nur am Rande mitbekommen. Die Kinder meines Mannes haben früher in der Schule solche Briefe hergestellt. Wir Erwachsenen haben das irgendwie nicht gemacht.

    Deine Häschen sind ja niedlich!

    • Antworten
      Meermond
      9. März 2018 at 10:57

      Ich habe auch noch nie so einen Brief bekommen, vermutlich macht das nur das Jungvolk 😉
      Dennoch finde ich diesen Brauch irgendwie putzig und ich habe im Netz schon wahre Scherenschnitt-Kunstwerke entdeckt. Das zu verschicken wäre mir selbst fast zu schade…
      Schönes Wochenende <3

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