Dänemark oder Deutschland – wo ist meine Heimat?

Bestimmt mehr als 50 Mal – keine Hyperbel – habe ich die Geschichte des kleinen Pelle vorgelesen:

Voller Zorn auf seinen Papa packt der kleine Junge seinen Koffer und zieht aus: ins Plumpsklo „Herzhausen“. Natürlich muss sein Buch „Hänschen im Blaubeerwald“ mit in sein neues Zuhause. Dort denkt er in kindlicher Verzweiflung über die Trauer seiner Eltern und das nahende Weihnachtsfest nach. Zwischen seinen Gedankengängen schickt er mehrmals eine auf der Mundharmonika gespielte Version von „Nun ade, du mein lieb‘ Heimatland“ auf die akustische Reise ins Elternhaus.

Man muss es mir glauben, ich würde gerne ab und an zu eben dieser Mundharmonika greifen. Aber was soll ich nur spielen?

Ade, lieb‘ Heimatland!“ oder doch lieber ein „Hej, lieb‘ Heimatland?“

Der Heimatgedanke

home-2194174_640_comfreakDiese Worte gingen schon einmal vor ein paar Jahren online. Wenn man seine Heimat verlässt und sich auf den Weg in ein neues Leben begibt, wird man irgendwann vor der Frage stehen: Wo bin ich eigentlich zu Hause?

Vor drei Jahren musste ich diese Frage leider damit beantworten, dass ich nicht wusste, was ich mit dem Wort „Heimat“ verbinden sollte. Ich beschrieb mein Herz damals als gebrochen und hin- und hergerissen. Gleichzeitig plagte mich damals der Gedanke, dass ich doch eigentlich rundum glücklich sein sollte. Schließlich ist durch unseren Umzug nach Nordjütland ein Traum wahr geworden, der schon viele Jahre in meinem Herzen gewesen war.

Wir träumen nicht, wir wagen einen Traum.

Noch immer bin ich so unglaublich glücklich, dass wir hier sein dürfen. Ich bin stolz auf uns, weil wir so Vieles geleistet haben. Jeder einzelne meiner wundervollen Familie hat große Hürden übersprungen.

Begonnen hat meine Liebe zum Norden bereits in frühester Kindheit und diese Liebe war offensichtlich hochgradig ansteckend. Denn wir leben seit bald vier Jahren genau dort, wo dereinst Traum von einem Leben in Dänemark geboren wurde.

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Es dauert eine Weile, bis du weißt, wo du hingehörst.

Damit wurden wir von anderen Menschen mit Auslandserfahrung getröstet. Die meisten schätzten, dass sie selbst etwa zwei Jahre gebraucht hatten, um ihren Platz im neuen Land zu finden.

Die psychische Belastung, ein ganzes Leben hinter sich zu lassen, ist unvorstellbar hoch. Darauf kann man sich nicht vorbereiten!

Wie grausam ist es doch, dass es (noch immer) eine Fernsehsendung gibt, die den Umzug in ein anderes Land zu einem Witz überzeichnet!

Es gehört eine ganze Menge Mut zu so einem Schritt und man braucht eine große Ausdauer. Mehr, als man manchmal zugeben kann oder möchte. Meine Bilder auf Instagram und hier im Blog wirken leicht und unbeschwert, aber hinter der Kamera wurden so manches Mal schwere Gedanken gedacht.

Die meisten kommen innerhalb von fünf Jahren zurück

 

Man möchte (und soll) sich in der neuen Heimat verwurzeln, weiß aber nicht immer, wie das gehen soll! Dazu gibt es nämlich keine „Rezepte“ oder wirklich hilfreiche Anleitungen. In Blogs teilen viele Auswanderer und Expats aus aller Welt ihre Erfahrungen mit, aber im Endeffekt ist man doch auf sich alleine gestellt.

Wie soll man gleichzeitig damit fertig werden, regelrecht auf eine Reset-taste gedrückt zu haben? Viele Zurückgelassenen leiden und man selbst verzweifelt fast an diesem Wissen – dabei ist man nur seinem Herzen gefolgt!

Strand Dänemark Sommer .jpg

Man hat sich doch nur einen sehnlichen Wunsch erfüllt und etwas getan, was man im Falle Nichttuns irgendwann einmal bedauern würde…

Solche Gedankengänge kosten Kraft.

Es sind nicht wenige, die innerhalb von fünf Jahren wieder zurück kommen. Und ich verstehe diese Menschen sehr gut. Die Realityshow, die sich am „Scheitern“ bereits vorgestellter „Auswanderer“ ergötzt, hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack.

Denn diese Menschen sind nicht gescheitert.

Sie haben versucht, einen Traum zu leben. Sie haben viele Erfahrungen gemacht, von denen andere nur träumen können. Niemand kann ihnen die Erinnerungen nehmen, die sie für immer bei sich tragen. Sie haben eine Geschichte gelebt, die andere nur aus Büchern oder Filmen kennen.

Man kann unzählige Schilder oder Dekorationsartikel kaufen, auf denen man zur Verwirklichung der Träume auffordert.

Lebe deinen Traum! Dream until your dreams come true! Don't dream your life, live your dream! Follow your dreams! Träume wollen gelebt werden!  

Manche Menschen träumen vielleicht etwas ungewöhnlich, aber mal ganz ehrlich: Oft sind es genau die so ganz anderen Lebensgeschichten und -erfahrungen, von denen wir lesen möchten oder die wir uns im Film ansehen wollen, nicht?

Heimat ist, wo dein Herz ist

Ich bin jetzt hier zu Hause. Meine Heimat ist der wilde Norden von Dänemark. 

Mit allem, was dazu gehört.

Und ich meine wirklich ALLES.

Hier ist mein Herz. Und meine vier Herzchen ❤  sind auch alle hier.

Mit dem Herzen zu Hause.

Ich drücke euch die Daumen, liebe D. und lieber C.!

Habt einen schönen Abend,

Schriftzug Meermond klein Bilderstempel

26 Gedanken zu “Dänemark oder Deutschland – wo ist meine Heimat?

  1. Um Träume zu verwirklichen, braucht es so viel Mut. Dass es Heimweh gibt, kann ich mir gut vorstellen. Ich bewundere, wie ihr das macht. Ich wünsche euch weiterhin ein gutes Leben in Nordjütland. Jutta.

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  2. Das hast du toll beschrieben. Ich bewundere dich für euren Mut, denn den braucht man auf jeden Fall. Und das nicht alles gold ist was glänzt sollte man acu beachten. es ist was anderes Urlaub in einem Land zu machen oder dorthin auszuwandern. Da gibt es garantiert auch Schattenseiten. Ich sag immer Heimat ist kein Ort sondern ein Gefühle, das ist dort wo man glücklich ist.
    Liebe Grüße
    Silke

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  3. Ich kann deine Gedanken so nachvollziehen! Ich habe vor langer Zeit in den USA gelebt und hätte die Möglichkeit gehabt, unbefristet dort zu bleiben. Aber nach einem Jahr hat man ein bisschen vergessen, wie die eigenen Leute ticken, und die neue Kultur versteht man noch lange nicht. Ich bin zurückgegangen, weil ich das Gefühl hatte, keine Identität mehr zu haben.
    Mein Lebensgefährte dagegen lebt seit 12 Jahren in Deutschland und wollte nie in seine Heimat zurück. Ich glaube, er hat einfach ein Stück seiner Heimat mitgebracht, denn etliche britische Gewohnheiten, Denkweisen und auch Produkte würde er niemals aufgeben. Dabei spricht noch nicht mal unsere Sprache richtig, ich könnt das nicht. Er schon. Vielleicht machen sich Männer weniger Gedanken.
    Hab einen schönen Tag!

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    • Deinen Engländer bewundere ich aber auch irgendwie für seine Einstellung. Er zieht sein Ding durch und genießt, was er hat. (zB auch dich 🤗) Glück findet man tatsächlich, wenn man aufhört, ewig danach zu streben.
      Die USA wären für mich gar keine Option. Es gibt sehr schöne Gegenden dort, aber Kultur und Lebensumstände gefallen mir nicht.
      Dir auch einen schönen Tag 🤗🙋‍♀️

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      • Du hast die Einstellung „meines“ Engländers genau richtig beschrieben! Wenn man so leben kann (und nicht alle Menschen in seiner Heimat machen es einfach für ihn), dann hat man ein gutes Leben.
        Die USA waren damals – vor über 30 Jahren – auch keine Option. Interessanterweise aus Gründen, die inzw. längst in Deutschland angekommen sind. Und nun, mit ihrem Top-Kasper, würd ich nicht mal mehr zu Besuch in die USA reisen, das macht schon traurig. Ich kenne immer noch viele Menschen dort, z.T. noch von der damaligen Zeit. Enttäuschend, dass sie sich so zum Gegenstand von Spott gemacht haben. Man kann sie gar nciht mehr ernstnehmen …

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    • Es freut mich, dass ich dich meine Worte berühren konnten.
      Und es tut mir leid, dass du deinen Traum nicht erfüllen konntest. Aber vielleicht kann dich etwas anderes darüber hinweg trösten? Liebe Grüße!

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  4. Nicht alle, die einige Jahre im Ausland leben, wollten auswandern. Diese Reality show kenne ich überhaupt nicht. Die sind doch nur neidisch, weil sie nie was gewagt haben!

    Das Bild zum Schluss finde ich Spitze, es sieht aus wie ein Bild von einem Skagen-Maler.

    Gefällt 2 Personen

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