2018 – Skandinavischer Sommer

Liebling, wir haben das Gießen vergessen!

Der große, schwarze Mann schaut mich traurig an und wendet den Kopf zum Fenster. Anstatt der üblichen Farbenpracht sieht er dort hängende Blätter, vertrocknete Pflanzen und staubige Erde.

Dänemark erlebt dieses Jahr einen sehr trockenen, heißen Sommer.

Jammern auf hohem Niveau?

Jedes Jahr habe ich mich in meinen sommerlichen Blogbeiträgen tränengewaltig darüber beklagt, dass ich wieder keinen Sommer erleben kann: Da wohnt man endlich am Meer und hat so gar nichts davon!

Es gibt kein schlechtes Wetter, bloß —- ach, hört mir doch damit auf!

Wenn es andauernd mies ist, dann vergeht es einem einfach! Und drei richtig miese, kalte, verregnete Sommer sind schon eine psychische Herausforderung. Vor allem dann, wenn man, so wie ich, aus einem regelmäßig tropisch heißen Bayern nach Dänemark gezogen ist.

Meer Sommer Wellen

Vor unserem Umzug nach Nordjütland trösteten wir uns damit über die immer größer werdende Abschiedsangst hinweg, dass wir unsere zukünftige Freizeit eben am Strand und mit den Füßen im Meer verbringen könnten!

Theoretisch war dieser Gedanke gut, tatsächlich aber waren die vergangenen drei Sommer im Ganzen so erbärmlich kalt und verregnet, dass wir nicht nur ordentliches Heimweh und großen Trennungsschmerz, sondern auch noch derbe Enttäuschung über das nasskalte Sommerwetter verdauen mussten.

Und nun haben wir endlich einen Sommer, der seinem Namen wirklich gerecht wird. Er ist so wie ich ihn kenne: heiß, sonnig und trocken. Die Ostsee hat inzwischen Temperaturen erreicht, die mich an ein Babyplanschbecken im Garten erinnern. In die Nordsee zu hüpfen wird zusehend leichter und die Herausforderung, ein „Held“ der eiskalten Fluten zu sein, ist inzwischen keine solche mehr.

Nordsee Wellen Sommer Dänemark

Es ist oft ziemlich „erfrischend“ in der Nordsee.

Das Meer bewegt sich laut DMI auch im hohen Norden auf 20 Grad Wassertemperatur zu – fast schon tropisch, möchte man augenzwinkernd sagen. Der Strand ist fluffig und der Sand rieselt körnig durch die Finger.

Ich befinde mich in einem real gewordenen Reiseprospekt.

Sommer, Sonne, Meer. Perfekt.

Und trotzdem breche ich nicht in Freudentaumel aus.

Dänemark durstet

Wir haben also vergessen, unseren Garten zu gießen. Dabei würden meine geliebten Stockrosen, meine prachtvollen Rosen und meine putzigen, wilden Löwenmäulchen so dringend Wasser brauchen.

Sommer Dänemark Trockenheit 2018

Unser Garten ist braun und vieles ist vertrocknet.

Unser Garten ist braun und vieles ist vertrocknet.

Es regnet seit Anfang Mai nicht mehr in dem Umfang, wie es sonst immer war. Eigentlich überhaupt nicht mehr.

Einige Kommunen mussten die Sankt Hans Feuer am 23. Juni aufgrund der Waldbrandgefahr absagen. Wir hatten noch „Glück“, wir durften noch feiern. Doch inzwischen sind sämtliche offenen Feuer untersagt und es fehlt der übliche Sommergeruch: Grillrauch.

Während unser Nachbar in den letzten Sommern wöchentlich mehrmals fast jedes Tier vom Kaninchen bis zum Rehbock auf einer seiner drei (! – ???) riesigen Huber-Grillstationen (*kicher*) zubereitet hatte, habe ich ihn bisher nur gemütlich plaudernd im Garten wahrgenommen. Rauch- und brutzelfrei. Übrigens wabert aus keinem Garten unserer Siedlung Rauch in die Höhe und ich kann dieses Jahr auch nicht das zur Grillzeremonie gehörende Dosenzischen hören. Dänen grillen ja bekanntlich sehr gerne und sie genießen jede helle Stunde ihrer Freizeit im Freien – und im Sommer kann man das eben oft riechen und [zischen] hören.

Auch wir haben uns inzwischen einen Feuerplatz im Garten eingerichtet und es ist magazinverdächtige Palettenhygge auf unserer Terrasse eingezogen.

Hygge Dänemark Garten

Doch wir dürfen kein offenes Feuer machen. Und wir dürfen auch nur noch jeden zweiten Tag gießen. Die Kommune hat den Gebrauch des Wassers reguliert.

Trockenes Skandinavien

Wie ihr wisst, sind wir am Montag in der Nacht von unserem Urlaub in Norwegen zurück gekommen. Auf meiner Haut zeichnet sich ein weißes Trägershirt ab und meine Augenringe kann ich mit der inzwischen zu hell gewordenen Schminke nicht mehr übermalen. Ich will ja nicht aussehen wie ein brauner Koala, dann lieber wie ein müder Waschbär. Es ist lange her, dass mein Gesicht hitzebedingte Magentafarbe hatte, aber im Hardangerfjord passte ich farblich ausgezeichnet zu den überall angebotenen Morellen! Doch blieb mir an diesem Tag die abendliche Abkühlung verwehrt, denn die Duschen des leider irrsinnig großen und völlig überrannten Campingplatzes waren sogar noch um halb 12 Uhr nachts überlaufen. Wir sind am nächsten Tag sehr zeitig und sogar ohne Frühstück von dort abgehauen! Übrigens war es nicht nur mir zu heiß, auch mein kleiner Belgier hatte einen Hitzschlag inclusive Fieber während unseres Urlaubs.

Important message! It is extreme fire hazard in the area. It is strictly forbidden to use any sources of fire outdoors.

Bereits am zweiten Urlaubstag erreichten uns auf allen Telefonen diese SMS des Fire Departments.

Bei unseren Wanderungen ist uns schon aufgefallen, dass viel Moos und kleine Sträucher bereits komplett eingetrocknet waren. Die Blaubeeren waren teilweise viel zu klein und steinhart. Die Hitze in Norwegen war außergewöhnlich und die Sonne brannte extrem stark auf unserer Haut. Sowas haben wir in den vergangenen Norwegenurlauben noch nicht erlebt und daher nicht erwartet. Wir verbrachten zwei sonnige, trockene und bis auf einen Tag immer zwischen 25 und 30 Grad heiße Wochen. Doch wir konnten zusehen, wie sich die außergewöhnliche Hitze und Trockenheit auszuwirken begann.

Norwegen Grasdach Holzhütte

Die Dächer der Hütten wurden zusehend braun.

Norwegen Sommer 2018 Trockenheit

Viele Moose waren eingetrocknet und es knirschte oft beim Wandern.

Rollag Stabkirche Sommer

Saftige Blumenwiesen verloren an Farbe.

In Schweden brennen Wälder, in Norwegen ist es sogar am Nordkap sommerlich warm und in Dänemark riecht es nicht nach Grill! Unser Garten ist braun und die Blumen, die sonst im August blühen, sind schon längst verblüht und abgefallen.

„Die Kartoffeln sind alle hinüber und derzeit schätzen wir den Schaden auf 1.5 Millionen“, erzählte uns ein bekannter Gutsverwalter. Zwar seien die Wasservorräte im Boden noch nicht beunruhigend, aber die diesjährige Trockenheit könne man eben nicht mehr „weggießen“. Es seien besonders die Milchbauern, die große Probleme bekommen werden, weil die Futterwiesen vertrocknen würden.

Die Gewässer haben sich stärker als normal [wenn man denn sowas noch sagen kann] erwärmt und die Wasserqualität der Binnengewässer und des Limfjords verschlechtert sich zunehmend.

Ich bin gespannt, wie das die kommenden Wochen weiter gehen wird. Die Prognosen sagen ansteigende Hitze und anhaltende Trockenheit voraus und das Wasser rinnt auffallend zart aus unserer Dusche…

Habt ein schönes Wochenende,

Schriftzug Meermond

19 Gedanken zu “2018 – Skandinavischer Sommer

  1. Sonne, Trockenheit, Wind, Wasser, Regen, kalte/warme Nordsee, alles hat seine Vor- und Nachteile. Wir müssen es nehmen, wie es kommt. Genießt das schöne Wetter, auch wenn es Einschränkungen mit sich bringt. Wir haben hier in HH knapp 30° C im Schatten und keinerlei Wind.
    Lieben Gruß, Ewald

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  2. Sonne, Sonne, Sonne bei Temperaturen zwischen 20• und 25• bei leichtem Wind. Einen schöneren Sommer habe ich hier noch nicht erlebt! Abendliches Giessen reicht um die Pflanzen im Garten üppig wuchern zu lassen. Zum Glück haben die übrigen Europäer noch nicht gemerkt, wie privilegiert wir hier sind ! Bisous 🇾🇪 👋

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  3. Was man eben nicht weiß, ob es sich um einen Ausnahmesommer handelt oder eben nicht. Nun ist es hier allerdings der dritte Sommer in Folge mit viel zu wenig Wasser, die Wälder sehen zusehendst schlapp aus und mittlerweile wird meine Idee (die ich vor ein paar Jahren hatte und schon mit Freunden diskutierte) laut: wir sollten Oliven anbauen, ich plädiere auch für Zitronen und Orangen…
    herzliche Grüße, Ulli

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    • Das Mittelmeerklima wandert nach Norden. Und damit werden sich Palmen und Oliven tatsächlich über die Alpen bewegen.
      Dieses Jahr ist allerdings extrem. Dass es am Nordkap 24 Stunden nicht unter 25 Grad Celsius geht, ist schon fast irre.
      Herzliche Grüße zurück

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  4. Es gibt sone und sone Sommer, auch an der Ostsee, wo ich 19 Jahre gelebt habe. Hier in Griechenland geht es uns besser als in manchen anderen Jahren: Es hat noch im Juni und im Norden sogar vorgestern kräftig geregnet, die Temperaturen sind gemäßigt, eine echte Hitzewelle (kavsonas, ab 40 Grad) hatten wir in diesem Jahr noch nicht, im vorigen dafür gleich mehrere hintereinander. Wir hatten in den 80er Jahren eine üble Trockenheit, 6 Jahre lang, die Wissenschaftler sprachen von Wüstenildung, die in Zukunft unvermeiidlich sei. Wasser durfte man im Garten nicht mehr verwenden (und natürlich auch nicht zum Autowaschen), und wir bedienten uns nur noch aus dem Reservoir, weil die Leitung zu wenig Druck hatte – all das ist heute vergessen. Also genieß die schönen Tage, ohne dir zu viele Sorgen zu machen. Das Moos erholt sich nach dem ersten Regen. Tschüß! Gerda

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    • Ich genieße es wirklich sehr, liebe Gerda. Weil ich aber Geografie studiert habe, kann ich den kritischen Blick nicht immer ausblenden. Es ist seltsam, die Welt zu beobachten und die Theorien Realität werden zu sehen.
      Machen wir das Beste daraus.
      Hab eine schöne neue Woche!

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  5. Lieber Meerond!

    Der Strand scheint wahrlich aus einem Reiseprospekt zu stammen. Sie würden sich gut als Model eignen 🙂
    Mit der Hitze ist es dieses Jahr mal wieder wirklich extrem. Kann ich gut nachempfinden. Auch hier muss der Garten täglich gewässert werden. Aber Sie haben ja noch Glück, wenn man sich die verheerenden Waldbrände in Schweden ansieht. Da genießt man doch lieber ein herrliches Grillfeuerchen im heimischen Garten.
    Genießen Sie den Sommer 🙂

    Liebe Grüße aus dem Süden
    Mallybeau

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    • Ich gestehe, ich genieße ihn sehr. Und trotzdem schaue ich mich besorgt um. Das ist schon merkwürdig heuer…
      Ich bedanke mich für das Kompliment, ein Model bin ich eher nur von hinten. Mein Gummigesicht macht manchmal unfotogene Sachen 😉
      Herzliche Sommergrüße auf die Alm,
      Meermond

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  6. Ja, nun könnte es wirklich endlich mal regnen. Wir waren neulich in Djursland, da sah es noch schlimmer aus. Bei uns wässern sogar einige Bauern noch die Felder. Ich frage mich immer, warum sie das tagsüber machen, wenn die Hälfte auf dem Weg zur Erde verdunstet, so eine Verschwendung. Bei uns wird noch nicht rationiert. Die letzten drei Jahre müssten eigentlich auch für ausreichend Grundwasser gesorgt haben.

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