Auf in die Schule – Einschulung in Dänemark

„Muss ich da wirklich jeden Tag hin?“

Zugegeben, diese Antwort überrascht mich etwas als ich meinen kleinen Wikinger freudestrahlend von seinem ersten Tag in einer dänischen Folkeskole abhole.

Wochenlang hatten wir uns auf den großen Tag vorbereitet: Wir haben gebastelt, erklärt, einen Wecker gekauft und unseren Schlafrhythmus mühevoll vom Ferienmodus auf den Schulmodus umgestellt. Alle haben sich gefreut.

Und dann bringt es der kleine Belgier bereits nach 10 Minuten im Klassenzimmer auf den Punkt: „Also so habe ich mir das nicht vorgestellt.“

Nein, als Schulanfänger hat man wirklich keine Vorstellung davon, was einen in der Schule erwartet und als Eltern kann man es auch nicht erklären. Das war schon immer so und wird wohl so bleiben, denn Schule unterliegt einem Wandel und vieles ist einfach nicht mehr so wie es in der eigenen Schulzeit erlebt wurde. In unserem Fall ist gar nichts mehr gleich. Nicht einmal die Sprache.

Einschulungsverfahren

Schule Einschulung Dänemark

Selbst gebastelte Schultüten

Unsere Zwillinge sind im November fünf Jahre geworden und galten damit schon als Vorschulkinder. Natürlich kann ein Kind zurück gestellt werden, wenn Gründe vorliegen, aber eines unserer Kinder kann bereits Lesen und der andere erforscht bereits den Unterschied zwischen Multiplikation und Addition.

Also wurde im vergangenen Herbst das Einschulungs-procedere eingeleitet:

Kindergartenpädagogen schreiben genau wie in Deutschland einen umfassenden Bericht über den zukünftigen ABC-Schützen und dessen Eltern beantworten ein recht ausführliches Geheft mit Fragebögen. Beides wird im Gespräch durchgegangen und im Anschluss die Schuleignung bei der Kommune angegeben.

Vorschulkinder haben während des letzten Kindergartenjahres wöchentlich „Schule“, in der verschiedene Themen und Fähigkeiten geübt werden. Sie lernten Yoga kennen und machten Wandertouren. Darüber hinaus durften unsere Kinder drei Theatervorstellungen besuchen und bekamen Besuch von einem Imker, einem Förster und von einem Tierpfleger.

Schuleinschreibung

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Die Zwillinge und ihr Freund warten auf Einlass.

Im Januar wurden alle Eltern mit schulpflichtigen Kindern via eines elektronischen Bescheides zur Schuleinschreibung in die børnehaveklasse (= Kindergartenklasse) aufgefordert.

Diese Klasse 0 ist ein Übergang zwischen Kindergarten und Schule. Es werden nur zwei Fächer „unterrichtet“ (Dänisch und Mathematik) und viel Wert auf Spiel und Spaß gelegt.

Was in Deutschland ein persönliches Erscheinen in der Schule nötig macht, geschieht in Dänemark am heimischen Esstisch.

Wir meldeten unsere Kinder an einer Folkeskole unserer Wahl an und verzichteten gleichzeitig auf den Luxus, einen lächerlichen Schulweg von „150 Meter nach links hinterm Garten“ zu haben.

Ein Antrag auf eine andere Schule, Gastschule oder ähnliches war nicht nötig.

Wer sein Kind nicht an eine öffentliche Folkeskole schicken möchte, kann eine Friskole oder andere private Schule wählen. Man kann sein Kind aber auch selbst beschulen (lassen), was dann aber von der Kommune kontrolliert wird.

In Dänemark gilt Unterrichtspflicht.

Schulsachen

Noch am Sonntag habe ich eine Freundin gefragt, ob ich denn eine Einkaufsliste übersehen hätte. Noch könnte ich ja schnell einkaufen gehen. Sie war sehr erstaunt und wusste nicht wirklich, was ich von ihr wollte.

Schule Deutschland Materialliste

Beispiel einer Materialliste aus Deutschland, von einer Freundin abfotografiert.

Wer in Deutschland in die Schule kommt, der braucht neben Schulranzen und Federmäppchen eine ganze Menge an Schnellheftern, Heften, Knete, Farbkasten und Kreiden. Dabei muss man auf die angegebenen Lineaturen, Seitenzahlen und Farben der Umschläge achten.

Später müssen Arbeitshefte gekauft und Geld für Kopien und (Kunst-)Material mitgegeben werden. Schule und Einschulung in Deutschland sind teuer und mit unseren Zwillingen wären wir sicherlich im dreistelligen Eurobereich gelandet!

In Dänemark möchte man nach dem Grundsatz leben, dass alle die gleichen Voraussetzungen und Chancen bekommen sollen. Daher beschränkte sich unser Einkauf auf eine Schultasche und ein Federmäppchen  – und Bastelmaterial für eine Schultüte.

Der erste Schultag

In Dänemark gibt es die Tradition der Schultüte leider nicht.

Einschulung Dänemark Schultüten

Doch wir wollten unseren Zwillingen diesen Spaß nicht verwehren und so haben wir fleißig gebastelt.

Ihre Schultüten durften sie aber nicht mit ins Klassenzimmer nehmen, denn Dänen schätzen es nicht, wenn man sich abgrenzt und sich anders verhält als es üblich ist.

Außerdem wären die anderen Kinder traurig gewesen.

Der erste Schultag begann um halb neun mit einer Begrüßung durch die Schulleiterin. Danach durften die Kinder durch ein Spalier aus wedelnden Fahnen in ihre Klassenzimmer gehen.

Dort lagen auf den Tischen Schulhefte und Materialien aus.

Einschulung Dänemark Folkeskole

Willkommen in der Klasse 0

Der erste Schultag dauerte nur bis 11:45 Uhr, doch schon seit gestern ist Schule bis 14:10, ältere Schüler müssen täglich bis halb vier. Nur freitags ist eine knappe Stunde früher Schluss.

Es sieht vielleicht so aus, als wären wir im Schulparadies gelandet. Doch ich möchte als Reaktion auf eine heutige Schlagzeile aus Deutschland unbedingt damit abschließen, dass auch hier ein großes Hurra durch die Presse ging, als man eine Renovierung der Schultoiletten nach über 30 Jahren ankündigte…

Herzliche Grüße,

Schriftzug Meermond

 

38 Gedanken zu “Auf in die Schule – Einschulung in Dänemark

  1. Pingback: Als mein Sohn zum Schulfest ging und als Gott wieder nach Hause kam | Meermond

  2. Hi liebe Meermond, ich war schon sehr neugierig auf deine Erzählung über die dänische Einschulung. Manches ist gar nicht so unterschiedlich, anderes doch sehr. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass die Kinder in den ersten Tagen sehr ko waren, viel schlafen wollten. Trotz Vorbereitung ist es eine gewaltige Umstellung. Größer, als es uns Erwachsenen bewusst ist. Kinder machen vielleicht zum ersten Mal die Erfahrung, dass ein neuer Lebensabschnitt begonnen hat. Ich wünsche euch Klein und Groß alles, alles Gute. Jutta.

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  3. Es ist wirklich aufregend, bewegend, ergreifend, seine „Kleinen“ diesen Schritt machen zu sehen. Ich denke, sie werden es gut haben, an der dänischen Schule. Vor allem: es gibt an unserer Schule keine regelmäßigen Hausaufgaben! 😊 Alles, was für sinnvoll erachtet wird, wird während der Schulzeit erledigt. Hurra!

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  4. In deutsche Klassenzimmer darf man die Schultüte am ersten Schultag in der Regel auch nicht mitnehmen. Hierbei geht es dann zwar nicht um Abgrenzung, sondern um Ablenkung. Das Lehrpersonal mag es nämlich nicht, wenn manche Kinder sich mehr auf die Schultüte als auf alles andere konzentrieren 😉.

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    • Vielleicht ist es an einigen Schulen ja wirklich so. Schade! Aber alle Kinder, die ich bisher in Deutschland bei der Einschulung begleitet habe, durften das gottseidank schon. Ich als ein Vertreter des Lehrpersonals glaube, dass ein Tag Ablenkung bestimmt keine Schulkarriere verderben wird. Schule sollte sich nicht selbst den Spaß verderben 😎

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  5. Meine Vorschulklasse wurde von einer ersten Klasse eingeladen. Sie lernten den Klassenraum kennen, der keinen Frontalunterricht erkennen ließ. Die Schüler begrüßten die Vorschulkinder und stellten sich mit Namen vor. Ebenfalls die Lehrerin. Danach taten es die VS–Kinder. Anschließend wurden Lesezeichen gefertigt, in dem die Schüler als Paten fungierten. Die Lehrerin hielt sich raus. Und zum Schluss der „Unterrichtsstunde“ gab es noch eine Geschichte. Das war für die VS-Kids ein tolles Schulerlebnis und ich denke mir, dass viele Unsicherheiten abgebaut wurden. Auch im neuen Schuljahr möchte ich mich um so eine Schul-Begegnung bemühen. Kinder wollen lernen. Wenn ich mit ihnen im VS-Jahr etwas gezielt malte, bastelte oder spielte, kam desöfteren die Frage: „Und wann lernen wir?“ Das ließ mich immer schmunzeln. Zum einen freute ich mich, dass sie lernten ohne es als Pflicht zu sehen und zum anderen sah ich, welche Vorstellungen vom Lernen „eingeimpft“ wurden…. 😀

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    • Hier waren sie auch in der Klasse zu Besuch, aber erzählt haben sie nur „War anstrengend, so weit zu laufen“. Dank dir habe ich nun mehr Vorstellung, wie ihr Schulbesuch gewesen sein könnte 😍 vielen Dank

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  6. Naja, ich kann die Skepsis schon verstehen. Das sind eine ganze Menge Stunden, in denen sie nicht einfach machen können, was sie wollen. Bis 14.10 Uhr finde ich lang. 15.30 Uhr für die Älteren finde ich auch viel. Das hatten wir erst im Gymnasium, und dann inklusive freiwilliger Arbeitsgemeinschaften. Aber vielleicht sind die Pausen länger. Wir hatten damals nur minimale Pausen.

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  7. Das klingt prima!
    Ich fand es immer schlimm, den ganzen Kram für die Kinder zu besorgen. Alle in der Klasse das gleiche, aber jeder für sich und man hat sich immer beim Schreibwarenhändler getroffen. In den ersten beiden Grundschuljahren hat die Lehrerin das gegen Umlage übernommen, weil es sonst immer Probleme wegen Lineatur der Hefte etc. gegeben hätte. Danach? Alle Jahre wieder…

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    • Ich fand es damals ab und an regelrecht albern. >Hier bitte 16 Seiten, aber da unbedingt 32. Und ja bloß einen Rand und ja keine zwei. Und hier ein Papierumschlag der Farbe lilablassblau…<
      Ich war von dem ganzen Schmarrn sogar so gernervt, dass ich selbst immer meinen Klassen den Auftrag gegeben habe, irgendein großes kariertes Heft zu besorgen. Und für das andere Fach irgendwas mit Linien zum Schreiben. Der Umschlag war mir auch schnurz. Keiner, ein alter Al…diprospekt oder ein Fanposter.
      Hat super geklappt und hat die Schüler immer sehr gefreut.

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